Schwülstiges Geschwafel

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hurmelchen Avatar

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Selten, sehr selten vergebe ich die „Höchststrafe“ für ein Buch, einen Stern, aber so leid es mir tut, „Theo in Golden“, der overhypte Roman von Allen Levi, hat in meinen Augen nichts anderes verdient.
Die Geschichte ist simpel. Theo, ein 86- jähriger Mann, kommt in die Stadt Golden ( Nomen est Omen, leben doch in der Stadt viele Menschen mit goldenem Herz…), keiner kennt seinen Hintergrund, aber schon bald schleicht sich dieser unglaubwürdig gute Mann in die Leben und Leiden der Bewohner von Golden. Das örtliche Café, in dem Bleistiftzeichnungen von vielen Individuen der kleinen Gemeinschaft hängen, wird ein Dreh- und Angelpunkt für die persönlichen Geschichten der Einwohner, denn Theo fängt an, die Zeichnungen zu kaufen, sie den Dargestellten zu schenken, und gleichzeitig Anregungen und Hilfestellungen zu deren teils verkorksten Leben mitzuliefern.
Das Rätsel seines eigenen Daseins wird am Schluss auch noch gelöst.
Das Ganze zieht sich über 400 Seiten, und ich hatte das Gefühl, jedes drittklassige Lebenshilfe- Brevier sei aufregender.
„ Das Kind in dir muss Heimat finden“ als süßliche US- Fiktion mit furchtbar evangelikalem Flair. Ich sehe schon entsetzt die Filmversion mit Tom Hanks vor meinem inneren Auge…
Warum nur löste dieses Buch einen solchen Hype in den USA aus? Sehnt man sich inmitten des MAGA- Wahnsinns nach einem liebevollen, weisen alten Mann, der einen an die Hand nimmt, und alle Verzweiflung wegwischt?
Der Autor Allen Levi hat diesen Roman ganz sicher mit den besten Absichten geschrieben, aber leider tritt die mickerige Storyline 400 Seiten auf der Stelle. Das sirupsüße Geschwafel, immer verbrämt mit christlichen Versatzstücken, hätte gut und gerne 200 Seiten gekürzt werden können, zumal fast alle Charaktere ähnlich langweilig daherkommen. Nirgendwo Ecken und Kanten, alles ist nur schwarz/ weiß gemalt, und die Frauen entspringen einem konservativ- christlichem Bild. Dulderin, Mutter, Tradwife.
Zeitweise hatte ich das Gefühl, einen Roman aus den 1930er Jahren zu lesen, so bräsig und betulich kam das Alles daher.
Dass wir in einer Welt leben, die aus den Fugen geraten ist, kann niemand verleugnen, dass aber diese Welt mithilfe eines predigenden Gutmenschen namens Theo wieder ins Lot gerückt werden kann, ist ein schlechtes Märchen.