Wohlfühlroman

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An einem Frühlingstag taucht Theo in der kleinen südstaatlichen Stadt Golden als Fremder auf. Niemand weiß genau, woher er kommt oder was er eigentlich vorhat. Im örtlichen Café fallen ihm zweiundneunzig Bleistiftzeichnungen auf, die die Gesichter der Bewohner des Ortes zeigen. Theo beschließt spontan, diese Porträts nach und nach aufzukaufen und den abgebildeten Menschen zurückzugeben. Aus diesen Übergaben entstehen vertraute Gespräche, neue Freundschaften und tiefe Einblicke in ganz unterschiedliche Leben – während nach und nach auch Theos eigenes Geheimnis ans Licht kommt.

Das Buch erzählt eine ruhige Geschichte, die sich insgesamt gut hören lässt, mich persönlich aber einfach nicht so richtig berühren konnte. In durchaus angenehmer Weise werden die verschiedenen Schicksale, von denen Theo beim Überbringen der Porträts erfährt, vorgestellt – nur wenige konnten mich leider wirklich berühren. Es entsteht eine angenehme, unaufgeregte Grundstimmung, die sich für mich über weite Strecken aber auch etwas langatmig und stark episodenhaft anfühlte. Manches an den Dialogen und Entwicklungen wirkte auf mich nicht ganz authentisch, durch die leichte, manchmal auch blumige Erzählweise fast schon märchenhaft. Eine emotionale Ausnahme bildeten für mich die Rückblicke des Buchhändlers aus seiner Zeit im Vietnamkrieg – diese Passagen gingen mir wirklich ans Herz.

An dieser leichten und wohligen Grundstimmung ist natürlich auch Theo beteiligt. Er ist ein absoluter Sympathieträger und Gutmensch: immer verständnisvoll, durchweg freundlich und völlig in sich ruhend. Das ist zwar liebenswert zu lesen, mir persönlich fehlten bei ihm aber ein paar Ecken und Kanten, um ihn als vielschichtige Figur zu erleben.

Schön fand ich den Verlauf gegen Ende: Gerade als man sich in der gemütlichen Feel-Good-Atmosphäre eingerichtet hat und mit einem ganz harmonischen Ausklang rechnet, kommt noch einmal etwas Bewegung in die Handlung und es wird tatsächlich auch ein wenig spannend.

Das Buch hat mir nette Lesestunden geschenkt, ein paar mehr Ecken und Kanten bei Theo hätten es für mich aber greifbarer gemacht. Wer ruhige Geschichten mag, die auch ein bisschen märchenhaft sein können, wird dieses Buch mögen.

Mein Fazit
Ein warmes, ruhiges Buch für zwischendurch mit einer schönen Grundidee und vielen warmherzigen Botschaften. Die episodenhafte Erzählweise plätschert streckenweise zwar etwas langatmig dahin und geht nicht allzu tief unter die Haut. Wer eine unaufgeregte Wohlfühlgeschichte sucht und sich an fehlenden Ecken und Kanten nicht stört, macht hier absolut nichts falsch.