Zwiegespalten...

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susannek Avatar

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Cover, Klappentext und Leseprobe hatten mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht und ich wollte es unbedingt lesen.

Jetzt nach der Lektüre bin ich etwas zwiegespalten.

Zur Geschichte: Theo, ein 86-jähriger Mann, kommt aus New York nach Golden im Süden der USA. Es ist von Beginn an klar, dass er nur ein Jahr dort verbringen wird, aber warum er eigentlich kommt, bleibt ein Geheimnis bis ganz zum Ende. Nach und nach lernt er die Bewohner kennen. In einem Café entdeckt er eine Menge Portraitzeichnungen von Menschen aus der Stadt und macht sich an das Projekt, die Portraits zu kaufen und an die Portraitierten zu verschenken. Damit möchte er den Beschenkten und dem Künstler etwas Gutes tun. Bei den jeweiligen Übergaben beschreibt Theo, was er in den gezeichneten Gesichtern sehen kann und findet für jede Person ermutigende, stärkende Worte. Im Austausch lässt er sich etwas aus der Lebensgeschichte der Person erzählen, während er kaum etwas über sich preisgibt.

Die Art, wie Theo Menschen sieht und was er an sie weitergibt, ist wunderschön, lebensbejahend, hoffnungsvoll. Und in den Begegnungen der Menschen in Golden entsteht viel Wärme, Verbundenheit, Sinn, Freundschaft, Lebensmut... Es ist eine Wohlfühlgeschichte, bei der man sich manchmal umarmt fühlt und sich manchmal wünscht, Teil davon zu sein, dieses Gesehenwerden, die Wertschätzung zu erleben. Es ist eine wertvolle Botschaft über das Zusammenleben, das Hoffen, das Füreinander-Dasein. Und darüber, wie schön es sein kann, andere zu beschenken und wie lohnend es ist, auf Kleinigkeiten und Unscheinbares zu achten.

Und dann kommt mein Aber: ich finde das Buch ein bisschen zu klischeehaft, zu seicht, zu einfach. Sprachlich und auch philosophisch/psychologisch hätte man aus der Idee mehr machen können. Es ist sehr schwarz-weiß gezeichnet und an vielen Stellen nervt mich das gönnerhafte Auftreten des reichen, alten Mannes. Am Ende löst sich alles mehr oder weniger in Wohlgefallen auf, mit Theo als messiasähnlicher Person. Zu viel Friede, Freude, Eierkuchen für mein Empfinden. Beim Lesen dachte ich öfter, dass es ein klassisches Buch für den amerikanischen Markt ist und sich nur bedingt für den deutschen Raum eignet.

Also ja, es ist ein Buch, das sich gut liest, einfache Lektüre, die ein Wohlfühlbedürfnis stillen kann, an der einen oder anderen Stelle auch zum Weiterdenken anregt, aber mit weit weniger Nachhall aufwartet, als ich gedacht hätte.