Was ist die Wahrheit?

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jule_reads Avatar

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Die Leseprobe hat mich langsam, aber gnadenlos eingesogen. Am Anfang wirkt alles in gewisser Weise leicht: Podcast-Aufnahmen, scherzhafte Dialoge, eine vertraute Dynamik zwischen Joy und Benny. Ich mochte diesen Ton sofort. Aber genau das macht das Unbehagen so effektiv, das sich Schritt für Schritt einschleicht. Hinter diesem lockeren Geplänkel liegt etwas weitaus Wichtigeres.
Der Schreibstil ist extrem lebendig, dialogstark und dabei emotional tief. Joys Stimme fühlt sich ehrlich an, manchmal selbstironisch, manchmal verletzlich. Besonders ihre Offenheit im Umgang mit ihrer Narkolepsie fand ich stark – das ist nicht nur „Background“, sondern prägt ihre Wahrnehmung der Welt und gibt der Geschichte eine ganz eigene Spannung. Man fragt sich ständig: Was ist real, was Erinnerung, was Kontrolle – und was eben nicht? Das verändert auch die Atmosphäre der Story sehr. Der Sturm, der Stromausfall, das zerbrochene Fenster, das leere Haus – nichts davon ist laut spektakulär, aber alles fühlt sich falsch an. Dieses langsame Realisieren, dass Joy verschwunden ist, hat mich mitgenommen.
Die Beziehung zwischen Joy und Benny ist das Herz der Leseprobe. Sie sind sich nah, aber nicht unkompliziert. Vertrauen, Schuld, unausgesprochene Konflikte – alles liegt offen, ohne erklärt zu werden. Und genau deshalb funktioniert der zentrale Spannungsfaktor so gut: Ist Benny ihr sicherer Hafen? Oder Teil des Problems?