Die Suche nach Joy

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büchersally Avatar

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Kalifornien. Joy und Benny sind seit Jahren beste Freunde. Sie haben gemeinsam den Podcast This Story might save your Life, in dem es um gefährliche Situationen im Leben geht und wie man sie überlebt. Eines Tages ist Joy verschwunden, ebenso wie ihr Ehemann Xander. Scherben auf dem Boden lassen vermuten, dass es einen Vorfall gegeben haben muss. Die Polizei verdächtigt Benny, der ebenfalls alles daransetzt, die Wahrheit herauszufinden. Hinweise entdeckt er schließlich in einer versteckten Datei auf Joys Laptop. Mühsam rekonstruiert er die letzten Momente vor ihrem Verschwinden.

Tiffany Crum erzählt in ihrem Debüt eine Geschichte, die sowohl etwas fürs Herz ist als auch leichte Gänsehaut erzeugt. Die Perspektive wechselt zwischen den Hauptfiguren Joy und Benny. Außerdem wird die Gegenwart mit Rückblicken auf die Vergangenheit verständlich gemacht, indem Benny das Manuskript von Joy liest, während sie bereits gesucht wird. Die beiden verbindet seit Jahren eine enge Freundschaft, in der sie sich gegenseitig Halt geben. Ihr gemeinsamer Podcast ist erfolgreich, in dem sie über gefährliche Situationen sprechen und wie man sich in einer solchen am besten entscheidet. Vor dieser Kulisse spielt sich langsam und nahezu unbemerkt die Gefahr der häuslichen Gewalt ab. Joy leidet zudem an Narkolepsie, was sie zeitweise handlungsunfähig macht. Weder kann sie andere schützen noch sich selbst. Auch Benny ist kein starker Held, was beide umso glaubwürdiger und sympathischer macht. Die Nebenfiguren ergänzen die beiden Charaktere, ohne sich je in den Vordergrund zu drängen.

Leise Eskalation der Gewalt
In diesem Thriller ist ein Mensch verschwunden und es muss ein Mörder überführt werden. Detective Keller hat sofort Benny im Visier, der nun seine Unschuld beweisen muss. Die Kombination aus Verdacht und Zeitdruck gemixt mit den kleinen Cliffhangern an den Kapitelenden, lassen einen gewissen Sog entstehen. Die Gefahr bleibt lange diffus und wird nicht sofort als solche erkannt. Themen wie Stalking, Grenzüberschreitungen und manipuliertes Vertrauen ziehen sich durch die Handlung. Auch der Leser muss entscheiden, wem er glaubt und welche Motive möglicherweise verborgen bleiben. So wird der psychologische Druck langsam aufgebaut. Crums Erzählstil ist flüssig und man kann den Ausführungen gut folgen. Der Spannungsbogen lässt allerdings beim Lesen Verschnaufpausen zu und bietet am Ende sogar noch eine Art Auslaufzone. Schließlich sind damit alle offenen Fragen rund um den Fall geklärt, wie es in einer Geschichte auch sein sollte.

This Story might save your Life ist ein leiser, psychologisch geprägter Thriller, der weniger auf Schockmomente als auf Atmosphäre und emotionale Nähe setzt. Tiffany Crum verbindet Freundschaft, Vertrauen und Verletzlichkeit mit ernsten Themen wie häuslicher Gewalt und Machtmissbrauch. Besonders überzeugend ist die Darstellung der Figuren, die bewusst keine Helden sind und gerade dadurch authentisch wirken. Der Spannungsaufbau ist zurückhaltend, aber konstant, und lässt Raum zum Nachdenken. Meiner Meinung nach ist es ein sensibles Debüt, das unter die Haut geht, ohne allzu laut oder blutig zu werden.