Klappentext beeinflusst

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marcello Avatar

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An der Coverfarbgebung von „This Story Might Save Your Life” vorbeizukommen, das war ein Ding der Unmöglichkeit. Es sah einfach leuchtend aus und wenn das schon geschafft ist, dann ist der Klappentext nicht fern und im Nachhinein muss ich sagen, dass ich ihn mal besser nicht gelesen hätte, weil ich finde ihn nicht geschickt gewählt, was ich in meiner folgenden Rezension etwas näher ergründe.

In dem Genre des Buchs habe ich in den letzten drei Jahren wirklich viel gelesen und dass ich immer noch dazu greife, zeigt, dass ich es gerne lese, auch wenn schon fast logisch nicht alle Bücher die gleiche Qualität habe. Umso reizvoller sind dann neue Autoren, wie nun Tiffany Crum. Denn wenn man den Stil von Autoren kennt, dann wird es schon mal vorhersehbar, weswegen ich auch schon ewig nichts mehr Sebastian Fitzek gelesen habe. Jetzt war aber Crum dran, die im Gepäck auch viele sehr Modernes hat. Die besten Freunde Joy und Benny haben zusammen einen Podcast, der ihnen den Durchbruch beschert hat, sodass sie keine Unbekannten mehr sind. Zudem arbeitet die Autorin sehr geschickt mit verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen. Es ist also ein komplexer Aufbau, den es für solche Geschichten auch braucht, weil man die ganze Zeit Informationen bekommt und sie nur schwer sortieren kann. Dadurch liegen nicht alle Lösungen sofort auf der Hand.

Der Klappentext hat sich nun darauf gestützt, Benny als besten Freund als suspekt zu betrachtende Figur zu inszenieren. Wenn ich nun den gesamten Inhalt kenne, kann ich es irgendwie verstehen, dann aber wiederum gar nicht. Denn die Skepsis ihm gegenüber kommt erst sehr spät in der Geschichte vor, weswegen es sich wie ein ständiges Warten anfühlt, nur um dann im Zeitpunkt der Geschichte sich schon wieder enttäuscht zu fühlen. Ich bin mir echt sicher, dass ich das Buch anders gelesen hätte, wenn es den Klappentext in der Tonart nicht gegeben hätte. Denn so war ich angeleitet, alles zu Benny abzuwägen und zu hinterfragen und habe dadurch einen Fokus gehabt, der wiederum anders verhüllt hat.

Das ist dann letztlich so ärgerlich, weil das Buch von Crum wohl so nicht angelegt war. Ich habe extra auch mal den Original-Klappentext verglichen, der nicht so eindeutig Benny in den Vordergrund schiebt. Dementsprechend werde ich so beeinflusst das Leseerlebnis nicht mehr für mich neu rekreieren können. Wenn ich jetzt den Teil etwas ausblende, dann kann ich aber erkennen, dass Crum gewisse Enthüllungen clever gesetzt hat. Sie hat immer Fragezeichen schwebend im Raum gehalten, sodass es immer ein Ziel für mich als Leserin gab. Ich finde auch, dass die Autorin ein sehr wichtiges Thema einbindet, was für mich durch die Perspektive wie eine Nebenbaustelle wirkte, was aber wohl eher als Zentrum gedacht war. Insgesamt denke ich daher, dass mir das Buch wohl viel besser gefallen hätte, aber ich habe mich zwischendurch zu sehr geärgert und das ist leider nicht einfach auszublenden.

Ich habe das Geschehen durch die Stimmen von Christiane Marx und Richard Barenberg begleitet. Es sind beides Stimmen, die in dem Genre sehr erfahren sind, gleichzeitig habe ich mir die Figuren aber etwas jünger vorgestellt und hätte wohl andere Stimmen gewählt. Dennoch sind beide letztlich zu Joy und Benny geworden.

Fazit: Für mich hat „This Story Might Save Your Life” dank des missglückten Klappentextes leider nicht die Wirkung entfaltet, die vielleicht ohne möglich gewesen wäre. Im Versuch zu verschleiern wurde irregeführt. Bei Thrillern leider einfach sehr schwierig, weil es ein anderes Lesegefühl ist, wenn man nur mit dem eigenen Päckchen an eine Geschichte rangeht. Äußere Einflüsse können dann schon eine Richtung mitgeben, die schadet. Das ist hier passiert, aber ich habe über meinen persönlichen Ärger hinweg doch erahnen können, dass der Thriller zu den guten gehört. Also an alle andere: Nicht den Klappentext lesen!