Atmosphärischer Psychothriller

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Die 18-jährige Ryan Shipley, die eigentlich Gabriele Thorn heißt, ist die Tochter eines Serienmörders. Zehn Jahre nach den schrecklichen Ereignissen muss sie nach dem Tod ihrer Großmutter in die Stadt zurückkehren, in der ihr Vater seine Verbrechen begangen hat. Sie zieht zu ihrer Tante und ihrem Onkel und hofft, dass niemand, nicht einmal ihre Cousinen, ihre wahre Identität kennt. Doch weiß wirklich niemand von ihrem Geheimnis?

Das Cover des Thrillers "Thornbird" von E. Kennedy hat mich sofort angesprochen. Es ist wunderschön gestaltet und beim Lesen des Buches wird schnell klar, wie hervorragend sowohl der Titel als auch das Cover zum Inhalt der Geschichte passen.

E. Kennedy schreibt flüssig, atmosphärisch und unglaublich spannend. Bereits die ersten Seiten haben mich gefesselt und bis zur letzten Seite nicht mehr losgelassen. Immer wieder sorgen unerwartete Wendungen dafür, dass ich meine bisherigen Vermutungen überdenken muss und bis zum Schluss miträtseln kann. Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen und bildet einen gelungenen Abschluss, der nach all der Spannung ein positives Gefühl hinterlässt.

Besonders gut gefallen hat mir die Hauptfigur Ryan alias Gabriele. Sie ist eine sympathische junge Frau, die unter den Taten ihres Vaters bis heute leidet. Sie fühlt sich schuldig, obwohl sie damals noch ein Kind war, und kämpft zudem mit dem Trauma, den Mord ihres Vaters an ihrer Mutter miterlebt zu haben. Da die Geschichte ausschließlich aus ihrer Perspektive erzählt wird, habe ich mich sehr gut in ihre Gefühlswelt hineinversetzen und ihre Ängste und Unsicherheiten nachvollziehen können.

Auch die Nebenfiguren sind vielschichtig gezeichnet. Da man sie ausschließlich durch Ryans Blick erlebt, bleibt stets die Frage offen, wem sie wirklich vertrauen kann. Dieses permanente Misstrauen steigert die Spannung zusätzlich und machte es mir nahezu unmöglich, die wahren Absichten der Figuren einzuschätzen. Interessant ist zudem, dass die Beziehung zu Everett beim Lesen ein völlig anderes Gefühl vermittelt als die zu Chase. Diese unterschiedlichen emotionalen Ebenen arbeitet die Autorin hervorragend heraus und verleiht beiden Beziehungen eine ganz eigene Dynamik.

Ein kleiner Kritikpunkt betrifft jedoch den Ausgangspunkt der Handlung: Ich habe mich gefragt, weshalb das Jugendamt Ryan ausgerechnet wieder in die Stadt zurückschickt, in der ihr Vater seine Opfer ermordet hat. Dass eine Rückkehr an diesen Ort für sie psychisch äußerst belastend sein würde und sie dort womöglich auf Angehörige der Opfer treffen könnte, liegt eigentlich auf der Hand. Dieser Teil der Handlung wirkte auf mich etwas konstruiert. Sobald man diesen Umstand akzeptiert, entfaltet der Thriller jedoch seine ganze Stärke und überzeugt mit psychologischer Tiefe sowie einer konstant hohen Spannung.

FAZIT: Ein atmosphärischer, psychologisch spannender Thriller mit einer sympathischen Protagonistin und vielen überraschenden Wendungen. Klare Leseempfehlung meinerseits!