Flieg, Vogel, flieg

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Gabrielle Thorn zieht an den Ort ihrer Kindheit zurück. Nach Starling, dort, wo ihr Vater Gabriel Thorn, ein Serienkiller, sein Unwesen trieb. Er hat mehrere Frauen umgebracht. Nun wartet er auf seine Hinrichtung. Gabrielle hat ihren Namen geändert, um nicht aufzufallen. Sie nennt sich Ryan und wird mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, die auch den gewaltsamen Tod ihrer Mutter bedeutet hat. Ihr Vater hat auch sie getötet. Ryan hat leider keine Wahl, als zu ihrer Tante zu ziehen, weil ihre Großmutter gestorben ist.

Und dort, an dem grausamen Ort, umgeben von den Familien, die ihre Liebsten immer noch nicht begraben können, da die Überreste immer noch nicht gefunden worden sind, erlebt sie eine wahre Gefühlspalette. Vom unerwarteten Verliebtsein bis zu der Verzweiflung mit Schuldgefühlen und Angst, als Tochter dieses Monsters entdeckt zu werden. Um sie herum versuchen nicht wenige, den Fall nach so langer Zeit immer noch aufzuklären. Und deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis irgendjemand entdeckt, wer Ryan wirklich ist.

Thornbird ist ein außergewöhnliche Geschichte, weil sich ein Young Adult-Buch mit dem eines Psychothrillers vermischt, und das gelingt erstaunlich gut.

Die unterschiedlichen Gefühle, die in Ryan wüten, sind anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Wie fühlt man sich, mit so einer Tatsache zu leben? Wie weit kann man dieses Geheimnis bewahren, ohne sich selbst zu verlieren und Menschen zu belügen, die man langsam in sein Herz schließt? Und wieso gibt ihr Vater, der Starling-Slayer, nicht preis, wo er die Toten gelassen hat?

Die Handlung bleibt durchweg spannend, tiefsinnig und doppelbödig, denn ab der ersten Seite rätselt man mit. Hier wird auch viel Augenmerk auf die Familien gelegt, die genauso Opfer von Gabriel Thron geworden sind, und viel durchgemacht haben. Denn einen lieben Mensch auf so eine grausame Weise zu verlieren, hinterlässt auch bei ihnen Spuren. Für immer.

Das Spannende ist, dass man selbst unterschiedliche Theorien entwickelt, denn auch das Geschehen um Ryan entwickelt immer mehr ein Eigenleben. Es gibt einen Podcast, der versucht, den Fall aufzuklären, was das FBI und die Polizei immer noch nicht nach den vielen Jahren geschafft hat, zudem wollen etliche die Überreste der toten Frauen finden, nicht zuletzt wegen der Belohnung.

Ryan trifft zudem auf zwei Jungen, die ihr Interesse finden: Everett und Chase. Hat sie eine Chance, ein normales Leben zu führen?

Auch wenn das Konzept der Geschichte bedrückend und deprimierend ist, schafft es die Autorin, nicht allzu sehr in Dunkelheit abzudriften. E. Kennedy hat es vermieden, dem Buch einen blutrünstigen Touch zu verleihen. Ihr geht es um das Danach.

Dazu kommt noch, dass man sich wie in einem True Crime-Fall fühlt, was auch die eingestreuten Texte veranschaulichen, in denen die Leute sich im Internetforum Free the Sparrow darüber austauschen, was sie zu wissen glauben.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, und das Cover ist passend zum Thema gestaltet.

Atmosphärisch, interessant, fesselnd.

5 atemlose Sterne.