Detailreichen historischer Roman über den 30-jährigen Krieg

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
lamen Avatar

Von

Mit "Tinte und Schwert – Verwandlung" legt Matthias Söder den ersten Band eines historischen Romans vor, der zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass der Autor über fundiertes Wissen zu dieser Epoche verfügt: Das Leben der Soldaten, die Härten des Kriegsalltags und die Kampfhandlungen werden mit beeindruckender Authentizität geschildert.

Diese Detailfülle ist zugleich Stärke und Schwäche des Romans. Während sie die Welt glaubwürdig und greifbar macht, gerät das Erzähltempo stellenweise ins Stocken. An manchen Passagen verliert sich Söder zu sehr in minutiösen Beschreibungen, während an anderer Stelle Wendungen und Entwicklungen überraschend rasch eintreten. Auch die Zeitsprünge innerhalb der Handlung tragen dazu bei, dass die Chronologie gelegentlich schwer nachvollziehbar wird.

Besonders Jakobs Entwicklung vom gläubigen Priesteranwärter zum rachsüchtigen jungen Mann kommt etwas zu abrupt. Dadurch leidet die emotionale Tiefe dieser zentralen Figur, was schade ist, da das Potenzial für eine komplexe Charakterzeichnung deutlich erkennbar ist.

Trotz dieser Schwächen gelingt es Söder, eine fesselnde und atmosphärisch dichte Geschichte zu erzählen. Die wechselnden Erzählperspektiven und vielfältigen Handlungsstränge verleihen dem Roman eine lebendige Dynamik, die ihn von vielen anderen historischen Kriegsromanen abhebt. Wer sich für Intrigen, Machtspiele und die moralischen Grauzonen des Krieges interessiert – und keine Scheu vor gelegentlich drastischen Szenen hat – wird hier spannende Lektüre finden. Besonders die offene Frage, wie es mit Jakob und Anna weitergeht, macht neugierig auf die Fortsetzung.