Faktisch stark
Es handelt sich um einen wuchtigen historischen Roman, der einen sofort ins Jahr 1618 zieht und dabei nichts beschönigt. Jacob Wolffen als Hauptfigur ist Bauernjunge, möchte aber katholischer Priester werden. Super Zeitpunkt. Nach dem tödlichen Überfall einer protestantischen Gruppe auf seine Familie wird er in deren Armee eingezogen und fängt von dort eine starke Charakterentwicklung an. Er kommt nicht als fertiger Held daherkommt, sondern seine innere Zerrissenheit zwischen Glauben, Verlust und dem Drang nach Vergeltung ist die ganze Zeit spürbar.
Auch Anna bleibt mir hängen, weil sie dem Ganzen eine zweite, sehr aktuelle Ebene gibt: Das Buch wirkt zwar sprachlich und in seiner Härte für mich eher wie ein „Herrenroman“, aber es ist gleichzeitig erstaunlich modern, weil es Hexenverfolgung und die Mechanismen dahinter nicht nur zeigt, sondern kritisch infrage stellt.
Der Schreibstil ist insgesamt flüssig und atmosphärisch-düster, allerdings auch etwas historisch angelehnt.
Trotzdem gab es für mich neben richtig spannenden, packenden Stellen auch Abschnitte, die sich ziehen – vor allem, wenn sehr viele Details und Namen auf einmal kommen. Unterm Strich finde ich es toll geschrieben, rau und mitreißend, mit ein paar Längen. Das Buch fiel mir persönlich immer etwas schwer in die Hand zu nehmen, aber wenn ich gelesen habe, war ich drin.