Historisch authentisch und spannend erzählt
REZENSION – Erst vor knapp zehn Jahren startete Matthias Soeder (64) nach 35 Jahren als Berufspilot seine zweite Karriere als Schriftsteller und begann zunächst mit Psychothrillern, in deren Handlung bereits Rückblenden in die brutale Zeit der Bamberger Hexenprozesse (1612 bis 1631) enthalten waren. Mit seinem im Februar beim Feuertanz Verlag veröffentlichten ersten Band „Verwandlung“ der Trilogie „Tinte und Schwert“, die im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) spielt, wechselt er nun vollends ins Genre des historischen Romans und nimmt den religiösen Fanatismus jener Zeit wieder auf.
Wenn auch der Großteil der Handlung im böhmischen Pilsen und vor Budweis spielt, beginnt der Roman des fränkischen Autors im Bistum Würzburg. „Das Hochstift Würzburg und das Hochstift Bamberg gehörten zu den Epizentren der Hexenverfolgung“, nannte Soeder kürzlich in einem Interview als Grund für diesen heimatlichen Bezug. In Bachthal, einem fiktiven Dorf im Würzburger Bistum, wird zu Beginn des langen Glaubenskriegs im Jahr 1618 die Bauernfamilie Wolffen von einer Söldnerhorde des jungen skrupellosen Grafen Heinrich von Hohenfels überfallen und alle ermordet bis auf den 17-jährigen Jacob, der als frommer Katholik gerade ins Würzburger Priesterseminar aufgenommen werden wollte. Von der mörderischen Truppe verschleppt, muss er bald darauf in Böhmen im Heer des Generals Ernst von Mansfeld (1580 bis 1626) – ausgerechnet im Heer des protestantischen Feindes – bei der Belagerung von Pilsen unter brutalen Bedingungen als Schanzknecht dienen.
Unter den Schlägen seiner Aufseher wächst im frommen Katholiken die tiefe Überzeugung, Gott habe ihn nicht etwa gerettet, um Priester zu werden und zu beten, sondern um die Mörder seiner Familie zu bestrafen. Als er in der mittlerweile vom Mansfelder Heer eingenommenen Stadt zum Schreiber der Artillerie aufsteigt, bekommt er die Musterrolle mit den Namen der Mörder und deren Unterkunft in die Hand. Der anfangs noch schwache, friedfertige Katholik, der sich im Heimatdorf von den stärkeren Bauernburschen häufig hat verprügeln lassen müssen, arbeitet nun nebenbei in einer Schmiede und nimmt bei einem Fechtmeister Unterricht. Aus dem einstigen Schwächling wird – daher der Titel „Verwandlung“ – ein selbstbewusster, kräftiger Kämpfer. Bei der Durchführung seiner „von Gott befohlenen“ Rache an den Hohenfelser Mördern unterstützt ihn die gleichaltrige und lebenskluge Anna Dillenberger aus Hanau, deren Mutter als Hebamme und Heilerin auf Veranlassung des aus Bamberg nach Pilsen versetzten Hexenjägers und Pfarrers Allendorfer bereits auf dem Scheiterhaufen den grausamen Feuertod starb, und die nun selbst als Heilerin berechtigte Angst vor Verfolgung als Hexe hat. „Ich erkläre nicht die Geschichte, sondern nutze historische Fakten zu Hexenglauben, Alltag jener Epoche und militärischer Praxis als Fundament der Handlung“, beschreibt Autor Matthias Soeder im Interview sein Konzept.
Mit „Tinte und Schwert. Verwandlung“ ist ihm ein äußerst spannender, auch auf alltägliche Einzelheiten eingehender und anhand historisch Fakten überaus interessanter Roman gelungen, der trotz spürbarer Freude an Details und daraus sich gelegentlich ergebender, auch verzichtbarer Längen dennoch nie an Spannung verliert. Kurze, knappe Sätze ebenso wie lebendige Dialoge mit nicht immer salonfähiger, aber der damaligen und soldatischen Zeit angepasster Ausdrucksweise lassen den Roman authentisch wirken. Bei der Lektüre kann man sich leicht in das reale Geschehen des Dreißigjährigen Krieges hineinversetzt fühlen.
Diese Wirkung erzielt Soeder vor allem im dramatischen Höhepunkt seines ersten Bandes – der detaillierten Schilderung der Schlacht vor Budweis, in der ein Mansfelder Truppenkontingent von den Kaiserlichen vernichtend geschlagen wird. Hier wird nicht nur die taktische Aufstellung der nach Waffengattung unterschiedlichen Truppenabteilungen, sondern in der in Einzelheiten gehenden Beschreibung der Kampfszenerie die ungeheure Brutalität des Krieges in unverstellter Härte erlebbar, was allzu zartbesaitete Leser abschrecken mag. In rasanter Folge prallen nur stichwortartig, aber drehbuchreif beschriebene kurze Kampfszenen Mann gegen Mann auf den Leser ein. Besonders hier, aber auch in vorherigen Szenen des Romans spürt man die „leibhaftige“ Erfahrung, die der Autor durch seine aktive Mitgliedschaft als Musketier im Verein „Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf“ in historisch nachgestellten Kampfszenen sammeln konnte.
Ergänzt durch dreijährige Recherche in Fachliteratur und Gesprächen mit Experten verschiedener Disziplinen wie Historikern und Medizinern ist dem Autor mit seinem historischen Debüt ein erstaunlich spannender, authentisch wirkender und flüssig erzählter Auftakt gelungen, auf dessen Fortsetzung man neugierig sein darf. Dieser zweite Band „Verzweiflung“ soll im Spätherbst folgen.
Wenn auch der Großteil der Handlung im böhmischen Pilsen und vor Budweis spielt, beginnt der Roman des fränkischen Autors im Bistum Würzburg. „Das Hochstift Würzburg und das Hochstift Bamberg gehörten zu den Epizentren der Hexenverfolgung“, nannte Soeder kürzlich in einem Interview als Grund für diesen heimatlichen Bezug. In Bachthal, einem fiktiven Dorf im Würzburger Bistum, wird zu Beginn des langen Glaubenskriegs im Jahr 1618 die Bauernfamilie Wolffen von einer Söldnerhorde des jungen skrupellosen Grafen Heinrich von Hohenfels überfallen und alle ermordet bis auf den 17-jährigen Jacob, der als frommer Katholik gerade ins Würzburger Priesterseminar aufgenommen werden wollte. Von der mörderischen Truppe verschleppt, muss er bald darauf in Böhmen im Heer des Generals Ernst von Mansfeld (1580 bis 1626) – ausgerechnet im Heer des protestantischen Feindes – bei der Belagerung von Pilsen unter brutalen Bedingungen als Schanzknecht dienen.
Unter den Schlägen seiner Aufseher wächst im frommen Katholiken die tiefe Überzeugung, Gott habe ihn nicht etwa gerettet, um Priester zu werden und zu beten, sondern um die Mörder seiner Familie zu bestrafen. Als er in der mittlerweile vom Mansfelder Heer eingenommenen Stadt zum Schreiber der Artillerie aufsteigt, bekommt er die Musterrolle mit den Namen der Mörder und deren Unterkunft in die Hand. Der anfangs noch schwache, friedfertige Katholik, der sich im Heimatdorf von den stärkeren Bauernburschen häufig hat verprügeln lassen müssen, arbeitet nun nebenbei in einer Schmiede und nimmt bei einem Fechtmeister Unterricht. Aus dem einstigen Schwächling wird – daher der Titel „Verwandlung“ – ein selbstbewusster, kräftiger Kämpfer. Bei der Durchführung seiner „von Gott befohlenen“ Rache an den Hohenfelser Mördern unterstützt ihn die gleichaltrige und lebenskluge Anna Dillenberger aus Hanau, deren Mutter als Hebamme und Heilerin auf Veranlassung des aus Bamberg nach Pilsen versetzten Hexenjägers und Pfarrers Allendorfer bereits auf dem Scheiterhaufen den grausamen Feuertod starb, und die nun selbst als Heilerin berechtigte Angst vor Verfolgung als Hexe hat. „Ich erkläre nicht die Geschichte, sondern nutze historische Fakten zu Hexenglauben, Alltag jener Epoche und militärischer Praxis als Fundament der Handlung“, beschreibt Autor Matthias Soeder im Interview sein Konzept.
Mit „Tinte und Schwert. Verwandlung“ ist ihm ein äußerst spannender, auch auf alltägliche Einzelheiten eingehender und anhand historisch Fakten überaus interessanter Roman gelungen, der trotz spürbarer Freude an Details und daraus sich gelegentlich ergebender, auch verzichtbarer Längen dennoch nie an Spannung verliert. Kurze, knappe Sätze ebenso wie lebendige Dialoge mit nicht immer salonfähiger, aber der damaligen und soldatischen Zeit angepasster Ausdrucksweise lassen den Roman authentisch wirken. Bei der Lektüre kann man sich leicht in das reale Geschehen des Dreißigjährigen Krieges hineinversetzt fühlen.
Diese Wirkung erzielt Soeder vor allem im dramatischen Höhepunkt seines ersten Bandes – der detaillierten Schilderung der Schlacht vor Budweis, in der ein Mansfelder Truppenkontingent von den Kaiserlichen vernichtend geschlagen wird. Hier wird nicht nur die taktische Aufstellung der nach Waffengattung unterschiedlichen Truppenabteilungen, sondern in der in Einzelheiten gehenden Beschreibung der Kampfszenerie die ungeheure Brutalität des Krieges in unverstellter Härte erlebbar, was allzu zartbesaitete Leser abschrecken mag. In rasanter Folge prallen nur stichwortartig, aber drehbuchreif beschriebene kurze Kampfszenen Mann gegen Mann auf den Leser ein. Besonders hier, aber auch in vorherigen Szenen des Romans spürt man die „leibhaftige“ Erfahrung, die der Autor durch seine aktive Mitgliedschaft als Musketier im Verein „Kurbairisches Dragonerregiment Johann Wolf“ in historisch nachgestellten Kampfszenen sammeln konnte.
Ergänzt durch dreijährige Recherche in Fachliteratur und Gesprächen mit Experten verschiedener Disziplinen wie Historikern und Medizinern ist dem Autor mit seinem historischen Debüt ein erstaunlich spannender, authentisch wirkender und flüssig erzählter Auftakt gelungen, auf dessen Fortsetzung man neugierig sein darf. Dieser zweite Band „Verzweiflung“ soll im Spätherbst folgen.