"Je genauer du hinschaust, desto weniger siehst du."

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martinchen Avatar

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Herbst 1618, Bistum Würzburg: der Dreißigjährige Krieg ist erwacht.

Der junge Priesteranwärter Jacob Wolffen wird nach einem brutalen Überfall von Söldner nach Böhmen in die gefürchteten Generals Mansfeld verschleppt. Er sinnt auf Rache, die er als seine göttliche Bestimmung erkennt. Dabei wird er von der jungen Heilerin Anna unterstützt.

Mit „Verwandlung“ legt Matthias Soeder den ersten Band einer Trilogie vor. Das Cover zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Eine zeitgenössische Radierung von Jacques Callot passt perfekt zum Inhalt, die Farbgestaltung in schwarz-rot ebenfalls. Eine Karte der Stadt Pilsen, die von Mansfelds Truppen belagert und schließlich eingenommen wird, findet sich zu Beginn. Ein Verzeichnis der historischen Persönlichkeiten steht ganz am Ende, hinter dem Dank des Autors und einer Übersicht über seine bisherigen Thriller. Das ist für mich das einzige Manko an diesem historischen Roman. Ich hätte mir das Verzeichnis, wenn schon nicht am Anfang, vor dem Dank gewünscht.

Matthias Soeder schreibt einen flüssigen Stil, der sehr bildhaft und teilweise auch sehr detailliert ist. Damit zieht er die Leser in einen Sog, dem er sich nicht entziehen kann. Die Hauptprotagonisten Jakob und Anna werden lebendig und authentisch beschrieben, mit ihrem Wunsch nach Rache, aber auch ihren Zweifeln. Auch die weiteren Figuren sind gut vorstellbar beschrieben.

Der Roman ist sehr kenntnisreich und ausgezeichnet recherchiert geschrieben. Das bedeutet jedoch auch, dass Schilderungen von Gewalt und Brutalität, aber auch den teilweise katastrophalen Lebensbedingungen viel Raum einnehmen.

Der Abschluss führt viele Fäden zusammen, aber nicht alle. Ein Cliffhanger steigert die Vorfreude auf Band 2.

Fazit: ein kenntnisreicher, gut recherchierter, bildhafter historischer Roman – Leseempfehlung