Dystopische Fantasy-Romance mit Stärken, Schwächen und Spice
„To Cage a Wild Bird: Verlier dein Leben, oder dein Herz.“ von Brooke Fast ist eine dystopische Fantasy-Romance und der erste Band der „Divided Fates“-Reihe. Eine Geschichte über ein schonungsloses System, tödliche Spiele, moralische Grauzonen und eine junge Frau, die alles riskiert, um ihren Bruder zu retten.
Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen. Ich liebe Dystopien, und der Vergleich mit „Die Tribute von Panem“ und „Divergent – Die Bestimmung“ hat bei mir direkt funktioniert. Ein brutales Gefängnis, eine Oberschicht, die Gefangene jagt, und eine Protagonistin, die sich freiwillig diesem Albtraum aussetzt, um ihren Bruder zu retten, in Kombination mit Enemies to Lovers – das klang genau nach meinem Geschmack.
Der Einstieg ist mir wirklich leicht gefallen. Man wird direkt ins Geschehen geworfen und findet sich plötzlich in Dividium wieder; in einer kalten, skrupellosen Welt, in der Disziplin mehr zählt als Menschlichkeit. Diese Direktheit mochte ich sehr, weil sie sofort eine bedrückende Stimmung schafft. Besonders das Gefängnis Endlock hat mich direkt abgeholt. Die Vorstellung, dass reiche Bürger dafür bezahlen dürfen, Gefangene zu jagen und zu töten, ist zutiefst verstörend. Die Grausamkeit dieses Systems wird nicht beschönigt, sondern konsequent gezeigt, und genau das macht Endlock für mich zur größten Stärke des Buches.
Raven als Protagonistin mochte ich anfangs wirklich gern. Ihr bissiger Humor, ihre Schlagfertigkeit und ihre Entschlossenheit. Sie wirkte stark, wütend und gleichzeitig verletzlich. Gerade diese Mischung hat sie für mich interessant gemacht. Doch leider ist genau das im Laufe der Geschichte immer mehr verloren gegangen. Ich verstehe absolut, dass ihre Situation sie verändert und dass die Sorge um ihren Bruder Jed alles überschattet. Trotzdem hat mich diese Fixierung irgendwann mehr genervt, als berührt, schließlich ist Jed kein kleines Kind mehr und hat bereits einige Zeit in Endlock auch ohne Raven überlebt. Generell sollten die Charaktere im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchlaufen, doch genau diese wirkte auf mich häufig konstruiert und seltsam unausgewogen, sodass ich Ravens innere Veränderung nicht immer nachvollziehen konnte.
Vale hingegen blieb für mich seltsam blass. Obwohl er eine wichtige Rolle spielt, hatte ich oft das Gefühl, ihn nicht wirklich zu kennen. Seine Fürsorglichkeit Raven gegenüber und seine ruhige Art sind durchaus positiv, aber sie reichen nicht aus, um ihn als Figur wirklich greifbar zu machen. Er wirkte eher wie eine Funktion innerhalb der Handlung als wie ein eigenständiger Charakter. Der Fokus liegt sehr stark auf Raven, was einerseits Sinn ergibt, andererseits aber auch verschenktes Potenzial ist.
Die Liebesgeschichte war für mich solide, aber nicht herausragend. Das Enemies to Lovers Element und die verbotene Nähe passen grundsätzlich gut zur Geschichte. In der Umsetzung konnte mich dieses Motiv jedoch nicht überzeugen, da mir die emotionale Entwicklung zwischen Raven und Vale nicht glaubwürdig genug erschien und stellenweise zu konstruiert wirkte. Vieles ging mir einfach zu schnell, bzw. zu reibungslos. Besonders die spicy Szenen empfand ich als schwierig. Ja, das Buch wird unter anderem als spicy Dystopie angepriesen und es spricht auch nichts dagegen. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit Erotik in Büchern, ganz im Gegenteil. Aber hier waren sie meiner Meinung nach zu oft an völlig unpassenden Stellen platziert. Die Situation spitzt sich zu, es geht um Leben und Tod und plötzlich liegt der Fokus hauptsächlich auf der körperlichen Nähe zwischen Raven und Vale. Das hat die Spannung für mich stellenweise eher unterbrochen, statt sie zu verstärken und fühlte sich teilweise einfach nur fehl am Platz an. Mit weniger expliziten Szenen, dafür mehr angedeutetem Knistern, Reibungen und emotionaler Spannung hätte die Geschichte für mich deutlich mehr gewonnen, ohne den eigentlichen Handlungsverlauf aus dem Blick zu verlieren.
Der Schreibstil ist einfach und gut lesbar. Das Tempo ist rasant, denn die Spiele als auch die Intrigen der Gefängnisinsassen untereinander sorgen für Spannung. Die Handlung unterhält dabei durchaus, wirkte für mich teilweise jedoch unausgereift und nicht immer konsequent durchdacht, was vor allem in der Figurenentwicklung und den Beziehungen der Charakter zueinander spürbar wurde.
Was mir allerdings gefehlt hat, war ein tieferer Blick auf die Welt außerhalb von Endlock. Für eine Dystopie ist mir das Worldbuilding ein wenig zu einseitig. Das System von Dividium ist spannend, aber politische Hintergründe, Alltag und gesellschaftliche Strukturen blieben mir persönlich zu vage. Ich möchte besser verstehen, wie es zu diesem System kam und wie die restliche Bevölkerung lebt. Ich bin gespannt, ob sich dies in Band 2 ändert.
Fazit:
„To Cage a Wild Bird: Verlier dein Leben, oder dein Herz.“ lebt von seiner grausamen Welt und der intensiven Atmosphäre, verliert für mich aber stellenweise an Tiefe. Eine Geschichte mit viel Potenzial, die mich aber nicht ganz so in ihren Bann gerissen hat, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen. Ich liebe Dystopien, und der Vergleich mit „Die Tribute von Panem“ und „Divergent – Die Bestimmung“ hat bei mir direkt funktioniert. Ein brutales Gefängnis, eine Oberschicht, die Gefangene jagt, und eine Protagonistin, die sich freiwillig diesem Albtraum aussetzt, um ihren Bruder zu retten, in Kombination mit Enemies to Lovers – das klang genau nach meinem Geschmack.
Der Einstieg ist mir wirklich leicht gefallen. Man wird direkt ins Geschehen geworfen und findet sich plötzlich in Dividium wieder; in einer kalten, skrupellosen Welt, in der Disziplin mehr zählt als Menschlichkeit. Diese Direktheit mochte ich sehr, weil sie sofort eine bedrückende Stimmung schafft. Besonders das Gefängnis Endlock hat mich direkt abgeholt. Die Vorstellung, dass reiche Bürger dafür bezahlen dürfen, Gefangene zu jagen und zu töten, ist zutiefst verstörend. Die Grausamkeit dieses Systems wird nicht beschönigt, sondern konsequent gezeigt, und genau das macht Endlock für mich zur größten Stärke des Buches.
Raven als Protagonistin mochte ich anfangs wirklich gern. Ihr bissiger Humor, ihre Schlagfertigkeit und ihre Entschlossenheit. Sie wirkte stark, wütend und gleichzeitig verletzlich. Gerade diese Mischung hat sie für mich interessant gemacht. Doch leider ist genau das im Laufe der Geschichte immer mehr verloren gegangen. Ich verstehe absolut, dass ihre Situation sie verändert und dass die Sorge um ihren Bruder Jed alles überschattet. Trotzdem hat mich diese Fixierung irgendwann mehr genervt, als berührt, schließlich ist Jed kein kleines Kind mehr und hat bereits einige Zeit in Endlock auch ohne Raven überlebt. Generell sollten die Charaktere im Laufe der Geschichte eine Entwicklung durchlaufen, doch genau diese wirkte auf mich häufig konstruiert und seltsam unausgewogen, sodass ich Ravens innere Veränderung nicht immer nachvollziehen konnte.
Vale hingegen blieb für mich seltsam blass. Obwohl er eine wichtige Rolle spielt, hatte ich oft das Gefühl, ihn nicht wirklich zu kennen. Seine Fürsorglichkeit Raven gegenüber und seine ruhige Art sind durchaus positiv, aber sie reichen nicht aus, um ihn als Figur wirklich greifbar zu machen. Er wirkte eher wie eine Funktion innerhalb der Handlung als wie ein eigenständiger Charakter. Der Fokus liegt sehr stark auf Raven, was einerseits Sinn ergibt, andererseits aber auch verschenktes Potenzial ist.
Die Liebesgeschichte war für mich solide, aber nicht herausragend. Das Enemies to Lovers Element und die verbotene Nähe passen grundsätzlich gut zur Geschichte. In der Umsetzung konnte mich dieses Motiv jedoch nicht überzeugen, da mir die emotionale Entwicklung zwischen Raven und Vale nicht glaubwürdig genug erschien und stellenweise zu konstruiert wirkte. Vieles ging mir einfach zu schnell, bzw. zu reibungslos. Besonders die spicy Szenen empfand ich als schwierig. Ja, das Buch wird unter anderem als spicy Dystopie angepriesen und es spricht auch nichts dagegen. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit Erotik in Büchern, ganz im Gegenteil. Aber hier waren sie meiner Meinung nach zu oft an völlig unpassenden Stellen platziert. Die Situation spitzt sich zu, es geht um Leben und Tod und plötzlich liegt der Fokus hauptsächlich auf der körperlichen Nähe zwischen Raven und Vale. Das hat die Spannung für mich stellenweise eher unterbrochen, statt sie zu verstärken und fühlte sich teilweise einfach nur fehl am Platz an. Mit weniger expliziten Szenen, dafür mehr angedeutetem Knistern, Reibungen und emotionaler Spannung hätte die Geschichte für mich deutlich mehr gewonnen, ohne den eigentlichen Handlungsverlauf aus dem Blick zu verlieren.
Der Schreibstil ist einfach und gut lesbar. Das Tempo ist rasant, denn die Spiele als auch die Intrigen der Gefängnisinsassen untereinander sorgen für Spannung. Die Handlung unterhält dabei durchaus, wirkte für mich teilweise jedoch unausgereift und nicht immer konsequent durchdacht, was vor allem in der Figurenentwicklung und den Beziehungen der Charakter zueinander spürbar wurde.
Was mir allerdings gefehlt hat, war ein tieferer Blick auf die Welt außerhalb von Endlock. Für eine Dystopie ist mir das Worldbuilding ein wenig zu einseitig. Das System von Dividium ist spannend, aber politische Hintergründe, Alltag und gesellschaftliche Strukturen blieben mir persönlich zu vage. Ich möchte besser verstehen, wie es zu diesem System kam und wie die restliche Bevölkerung lebt. Ich bin gespannt, ob sich dies in Band 2 ändert.
Fazit:
„To Cage a Wild Bird: Verlier dein Leben, oder dein Herz.“ lebt von seiner grausamen Welt und der intensiven Atmosphäre, verliert für mich aber stellenweise an Tiefe. Eine Geschichte mit viel Potenzial, die mich aber nicht ganz so in ihren Bann gerissen hat, wie ich es mir gewünscht hätte.