Gefangen zwischen Überleben und Moral

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hasi_mimi Avatar

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Ich habe To Cage a Wild Bird von Brooke Fast mit großen Erwartungen begonnen – und wurde emotional komplett abgeholt.
Die Geschichte spielt in einer düsteren, gnadenlosen Dystopie, in der das Überleben täglich neu erkämpft werden muss. Ich begleite Raven, eine Kopfgeldjägerin, die für Credits Menschen ausliefert und damit indirekt über Leben und Tod entscheidet. Was mich sofort gepackt hat, war ihr innerer Konflikt: Sie ist hart, abgeklärt und brutal ehrlich – und gleichzeitig voller Schuld, Angst und Liebe für ihren Bruder. Diese Zerrissenheit zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung und hat dafür gesorgt, dass ich Raven nicht nur verstanden, sondern regelrecht gefühlt habe.
Der Schreibstil ist rau, direkt und stellenweise schmerzhaft intensiv. Gewalt, Ungerechtigkeit und moralische Grauzonen werden nicht beschönigt, was die Welt extrem glaubwürdig macht. Besonders stark fand ich die Gesellschaftskritik: Machtmissbrauch, Klassenunterschiede und ein System, das Menschen zu Ware macht, wirken erschreckend nah an unserer Realität. Die Romance entwickelt sich langsam und glaubwürdig, ohne die düstere Grundstimmung zu unterbrechen – genau das mag ich an Fantasy-Romance.
Natürlich ist nicht alles perfekt: Manche Passagen hätten für meinen Geschmack etwas mehr Tiefe oder Ruhe vertragen, weil das Tempo stellenweise sehr hoch ist. Trotzdem hat mich die Geschichte emotional so sehr gepackt, dass ich unbedingt weiterlesen wollte.