Konstruierte Story ohne Tiefgang

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hennie Avatar

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Dieses Buch wollte ich lesen, obwohl ich wusste, dass es nicht mein Genre sein wird und ich auch wegen meines fortgeschrittenen Alters nicht unbedingt die Zielgruppe bin. Ich tat es wegen meiner bald 21jährigen Enkelin. Sie liest das sehr gern und ich wollte wissen, warum.

Beginne ich mit dem Positiven: Mir gefällt die Aufmachung des Covers und des Buches mit seinem rotem und dennoch dezenten Farbschnitt sehr gut. Da ist die rote und damit sehr optimistische Farbe des Umschlages, dagegen im Kontrast ziert den Hardcovereinband schwarzer Stacheldraht auf weißem Grund. GELUNGEN! Das passt zum Inhalt.

To Cage a Wild Bird ist der Debütroman der Amerikanerin Brooke Fast und Band 1 der dystopischen Fantasy-Romance über die Kopfgeldjägerin Raven. So wird das Buch vorgestellt. Für mich war es nur Dystopie, Fantasy gar nicht und von Romance habe ich auch eine andere Vorstellung.

Die Voraussetzungen für eine spannende, interessante Story sind durchaus vorhanden, aber die Umsetzung gefiel mir nicht. Bis zur letzten Seite konnte ich mich nicht für diese Geschichte begeistern. Bis zum Ende wusste ich nicht, was mit der Dystopie vermittelt werden soll. Es gibt für mich keinen Erkenntnisgewinn! Eine Story ohne „Hand und Fuß“, aus der Luft gegriffen, ohne Hintergrund, ohne detaillierte Beschreibungen. Angesiedelt im Niemandsland? Ohne Bezug zu vergangenen Zeiten! Gibt es keine anderen Länder mehr? Nur noch dieses Dividium? Die meisten der Gefangenen sind so unverhältnismäßig abgeklärt und gehen zu den irren Jagden, wo es schließlich ums nackte Überleben geht, wie die Tiere zur Schlachtbank. Es wird mir zu vieles behauptet, nicht begründet. Vieles erschien mir unlogisch.
Die Lebensverhältnisse sind wie sie sind (im unteren Bezirk die Armen und im oberen die Reichen) und wer gegen die Gesetze verstößt, endet in diesem KZ-ähnlichen Gefängnis. Dafür reichen auch geringste Vergehen. Gerichtsbarkeit oder Barmherzigkeit gibt es nicht.
Die Figuren der Autorin zeigen keine Entwicklung. Dafür ist dieses Gefängnis Endlock auch nicht der geeignete Ort, dort wird ja eigentlich nur gestorben. Wie sich da die Liebe zwischen der Kopfgeldjägerin und dem Wachmann Vale entwickeln konnte, ist mir auch ein Rätsel. Das heiße Rumgemache in der menschenfeindlichen Umgebung ging mir auf den Zeiger. Total fehl am Platz!

Für die jugendlichen Leser ist vielleicht interessant, wie es mit Raven und Vale im Band 2 weitergeht. Für mich war es eine konstruierte Story ohne Tiefgang.
Ich werde den zweiten Band nicht verfolgen.