Vorsicht! SciFi statt Fantasy

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kobina Avatar

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"To Cage a Wild Bird" ist der erste Band der "Divided Fates"-Reihe von Brooke Fast.
ACHTUNG: Leider hat das Marketing bei diesem Buch massiv versagt. Es handelt sich hierbei NICHT um Fantasy oder Romantasy. Wir haben hier einen dystopischen Science Fiction-Roman, in dem Romance vorkommt. Am ehesten lässt es sich tatsächlich mit "The Hunger Games" vergleichen (in Bezug auf das Genre, nicht in Bezug auf die Handlung).

Genau diese enttäuschte Erwartungshaltung war es auch, die mich am Anfang lange hat brauchen lassen, bis ich in das Buch gefunden habe. Versteht mich nicht falsch, es ist an sich ein sehr gut geschriebenes Buch, aber wenn ich gewusst hätte, in was für einem Genre es tatsächlich spielt, hätte ich es zu einem gänzlich anderen Zeitpunkt bzw. in einer anderen Stimmung gelesen. Wenn man jedoch mit der Erwartung rangeht, hier einfach eine mögliche Dystopie der Zukunft zu lesen, wird man vermutlich sehr viel Spaß haben.

Zudem: Selbst wenn es eine Fantasy-Geschichte gewesen WÄRE, wäre es wohl keine Romantasy gewesen, denn der Plot wäre auch 1zu1 so passiert, selbst wenn die beiden einander nicht unwiderstehlich gefunden hätten - nur mit weniger Augenrollen.

Die Geschichte selbst ist sehr kurzweilig und man fliegt ab einem gewissen Punkt förmlich durch die Seiten. Mir war sie sogar ein bisschen zu kurzweilig; die Beziehungen der Charaktere unter einander gingen teilweise etwas zu schnell, auch wenn die Figuren selbst sehr schön gezeichnet waren. Ich hätte mir gewünscht, dass dieses Buch in zwei geteilt worden wäre und somit alles etwas mehr Raum bekommen hätte. Auch die Zeit der Protagonistin als Kopfgeldjägerin war deutlich zu kurz für die Rezipierenden. Natürlich spielt der Hauptplot im Gefängnis, trotzdem hätte ich mir mehr als nur ein paar Seiten für den Status gewünscht, der später ihre gesamte Wahrnehmung beeinflusst.

Ein großes Lob muss an die Übersetzerin Bettina Ain ausgesprochen werden. Das Buch las sich, als wäre es ursprünglich auf Deutsch verfasst worden, was man heutzutage leider nicht mehr oft hat. Zudem ist es ihr gelungen, so unaufdringlich zu gendern, dass mir erst nach einer Weile auffiel, dass sie inklusiv schreibt. Absolutes Musterbeispiel von Sprachverwendung!