Zwischen Jägern und Gejagten

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bookaddict_sylvia Avatar

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To Cage a Wild Bird entführt uns Leser schnell in eine düstere, brutale Dystopie, in der Macht, Reichtum und Menschenleben ungleich verteilt sind. Die Geschichte folgt Raven, einer Kopfgeldjägerin aus dem unteren Sektor, die selbst kaum etwas besitzt, ausser der tiefen Verantwortung für ihren jüngeren Bruder. Als dieser verhaftet und insGefängnis Endlock gesteckt wird, zögert Raven nicht lange, sie geht ihm nach, um ihn zu retten.

Dieses Gefängnis ist jedoch kein gewöhnliches. Hier dürfen reiche Menschen aus anderen Sektoren die Insassen jagen, ein grausames Spiel, bei dem das Überleben zum Luxus wird. Besonders die ersten Tage im Gefängnis waren für mich extrem spannend. Die Atmosphäre ist brutal und emotional, und ich war sehr schnell komplett in der Geschichte drin. Der Schreibstil von Brooke Fast ist dabei ein grosser Pluspunkt: sehr flüssig, leicht zu lesen und trotzdem eindringlich.

Im Mittelteil hatte ich allerdings das Gefühl, dass die Handlung etwas ins Stocken gerät. Zwar lernt Raven neue Freundschaften im Gefängnis kennen, was durchaus interessant ist, doch die eigentliche Hauptgeschichte verlor für mich zeitweise an Bedeutung. Trotzdem blieb ich dran, vor allem wegen Raven selbst: Sie ist eine starkeProtagonistin, die ich deutlich interessanter fand als viele vergleichbare Figuren in diesem Genre. Auch der Slow-Burn-Aspekt der Geschichte hat mir sehr gut gefallen.

Das Ende nimmt dann wieder deutlich an Tempo auf und endet natürlich mit einem Fragezeichen, was die Geschichte noch bringen wird.

Besonders gefallen hat mir die dystopische Welt. Ich liebe dieses Genre sehr, war jedoch etwas irritiert, dass das Buch vielerorts als Fantasy bezeichnet wird, da es meiner Meinung nach klar eine Dystopie ist. Die Parallelen zu Die Tribute von Panem sind unverkennbar. Das kann sowohl Fluch als auch Segen sein: Einerseits hatte ich oft Filmszenen aus Panem im Kopf, andererseits gilt auch, wer Panem mochte, wird dieses Buch mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls lieben.

Insgesamt ist To Cage a Wild Bird ein spannender dystopischer Roman mit einer starken Protagonistin, brutalem Setting und einem Ende, das neugierig auf mehr macht, trotz kleiner Längen im Mittelteil definitiv lesenswert.