Ein finnischer Sommer!?

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kerstin600 Avatar

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Finnland verbindet man mit Seen, Sauna und dieser beruhigenden Stille, bei der man automatisch langsamer atmet. Lisa Sarah Brandstäter nimmt genau dieses Postkartenidyll – und fährt mit voller Wucht darüber. Im wahrsten Sinne des Wortes. Schon die ersten Seiten machen klar: Hier wird nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. Der Einstieg knallt ordentlich rein und hat mich direkt gepackt.

Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin den Gegensatz zwischen der hellen Mittsommernacht und der düsteren Handlung ausspielt. Während draußen alles nach Urlaub, Wasser und Blaubeeren aussieht, gerät die Geschichte immer tiefer in einen Fall, bei dem gefühlt jeder etwas verschweigt. Das sorgt dafür, dass man ständig denkt: Moment mal … irgendwas passt hier doch nicht.

Leena Victor ist eine Ermittlerin, die angenehm bodenständig rüberkommt. Keine Superheldin, kein wandelndes Klischee, sondern jemand, der versucht, Job und Privatleben unter einen Hut zu bekommen – mit mäßigem Erfolg. Dass der Mord ihr gerade das lang ersehnte Wochenende zerlegt, macht sie ziemlich greifbar. Auch ihr neuer Kollege Sebastian wirkt interessant, weil zwischen den beiden noch nicht alles läuft.

Der Schreibstil liest sich flott weg. Die Landschaftsbeschreibungen machen richtig Lust auf Finnland, ohne den Spannungsbogen auszubremsen. Und obwohl die Tat nichts für schwache Nerven ist, wirkt die Brutalität nie wie Selbstzweck. Sie unterstreicht einfach, dass hier jemand mit erschreckender Entschlossenheit gehandelt hat.

Das Cover

Das Cover gefällt mir richtig gut. Der einsame Steg auf dem ruhigen See strahlt erst einmal völlige Gelassenheit aus. Dann springt einem der Titel in seinem leuchtenden Orange entgegen – fast wie ein Warnsignal. Genau dieser Kontrast funktioniert für mich hervorragend: friedliche Sommeridylle gegen einen Fall, der alles andere als friedlich ist. Es macht neugierig, ohne zu viel zu verraten, und passt perfekt zur Atmosphäre der Leseprobe.

Mein Eindruck nach der Leseprobe: Das hier ist kein Krimi, der sich erst warm laufen muss. Er drückt ziemlich früh aufs Gaspedal und hält das Tempo. Wer nordische Schauplätze mag und Geschichten schätzt, bei denen man schon nach wenigen Seiten anfängt, jedem über den Weg zu misstrauen, dürfte hier bestens aufgehoben sein. Ich hätte jedenfalls ohne zu zögern weitergelesen.