Mittsommeralbtraum in Finnland - warum mir dieser Krimi eine Gänsehaut verpasst hat

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Tod in heller Sommernacht von Lisa Sarah Brandstäter ist ein klassischer Helsinki-Krimi, der im idyllischen finnischen Städtchen Porvoo spielt. Die Story dreht sich um die junge Studentin Lina, die mitten in einer hellen Mittsommernacht auf dem Heimweg von einem Auto brutal und absichtlich überfahren wird. Kurz darauf übernehmen Kommissarin Leena Victor und ihr neuer Partner Sebastian die Ermittlungen und stoßen schnell auf ein Netz aus Lügen und Geheimnissen im Umfeld des Opfers. Für mich ist das Buch wegen der ziemlich heftigen und detailreichen Gewaltdarstellungen am Tatort perfekt für Leser ab 16 Jahren geeignet.

Das Cover hat mich ehrlich gesagt sofort angesprochen. Das Design ist schlicht, aber extrem wirkungsvoll. Die riesige rote Aufschrift des Titels hat so eine zerkratzte, raue Textur, die sich auf dem hellen Hintergrund richtig gut abhebt. Es sieht nicht nach einem kitschigen Roman aus, sondern versprüht sofort diesen typischen, kühlen Scandi-Crime-Vibe, den ich an Krimis so liebe. Es passt einfach perfekt zur düsteren Atmosphäre der Geschichte.

Besonders gut gefallen hat mir dieser krasse Kontrast zwischen der wunderschönen, friedlichen Kulisse und dem schrecklichen Verbrechen. Die Autorin beschreibt die finnische Natur, die hellen Sommernächte und den Duft von Blumen so malerisch, dass man fast selbst dort sein möchte. Und im nächsten Moment bricht diese brutale Realität über einen herein, als Lina im Wald gejagt wird. Dieser plötzliche Wechsel sorgt sofort für Gänsehaut und hat mich emotional richtig mitgenommen. Auch Leenas Konflikt, dass sie wegen des neuen Falls ihr lang ersehntes Wochenende mit ihrem Freund Samuel absagen muss, wirkt super realistisch.

Nicht ganz so gut gefallen hat mir der Einstieg in das erste Kapitel nach dem Prolog. Die Szene in der Dienstbesprechung zieht sich ein bisschen, weil erst mal sehr viele persönliche Details über den Chef und die Kollegen eingestreut werden, die für den eigentlichen Fall erst mal gar keine Rolle spielen. Auch Sebastian, der neue Kollege, wirkt am Anfang fast schon ein bisschen zu perfekt und klischeehaft gutaussehend, was mich in Krimis manchmal leicht nervt. Da hoffe ich einfach, dass sein Charakter im Laufe des Buchs noch mehr Ecken und Kanten bekommt.

Der Schreibstil von Lisa Sarah Brandstäter ist herrlich flüssig und lässt sich super angenehm lesen. Sie schafft es, mit wenigen Worten eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Der Spannungsaufbau im Prolog ist absolute Spitzenklasse, man rennt gedanklich quasi selbst um sein Leben. Danach flacht die Kurve zwar etwas ab, um Platz für die Ermittlungsarbeit zu machen, aber das unheimliche Gefühl bleibt die ganze Zeit im Hintergrund. Die Charaktere wie die taffe Leena, die sich in einer Männerdomäne behaupten muss, oder der am Boden zerstörte Vater Onni sind vielversprechend und emotional glaubwürdig gezeichnet.

Das Buch ist absolut perfekt für alle Fans von skandinavischen Thrillern und klassischen Ermittlungskrimis geeignet. Wer Lust auf ein packendes, düsteres Rätsel vor der Kulisse der finnischen Schärenlandschaft hat und kein Problem mit etwas blutigeren Details hat, wird diese Geschichte verdammt gerne lesen.

Nach dieser Leseprobe bin ich wirklich extrem neugierig, wer hinter dieser grausamen Tat steckt. Warum musste Lina sterben und was verheimlichen ihre Freunde oder sogar ihre Familie? Ich erwarte ein verwickeltes, spannendes Familiendrama und würde das Buch auf jeden Fall sofort weiterlesen, um herauszufinden, ob Leena den Mörder schnappt, bevor noch mehr passiert.