Finnische Idylle trifft eiskalte Abgründe

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antjep78 Avatar

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Ein einsamer Waldweg auf der finnischen Insel Kråkö, das Dröhnen eines heranrasenden Motors im Rücken und Sekunden später die gnadenlose Gewissheit: Hier passiert kein Unfall, hier wird eiskalt gemordet. Lisa Sarah Brandstäter fackelt in ihrem neuen Kriminalroman „Tod in heller Sommernacht“ nicht lange und hat mich als Leserin im Prolog direkt in einen Strudel aus Panik, Gewalt und psychologischer Abgründigkeit gezogen.
Genau das liebe ich so sehr an skandinavischen Krimis: diesen perfekten Kontrast zwischen idyllischer Natur, echtem finnischen Lebensgefühl inklusive kleiner Vokabeln wie „Moikka“ oder „Moi“ und den tiefen menschlichen Abgründen, die dahinter lauern.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen Kriminaloberkommissarin Leena Victor und ihr neuer Kollege und Leiter der Mordkommission, Sebastian Nyberg, vom Präsidium in Helsinki. Ihr Fall führt sie in das kleine Städtchen Porvoo, wo die junge Studentin Lina Saarinen brutal überfahren aufgefunden wurde. Was zunächst wie eine furchtbare Fahrerflucht aussieht, entpuppt sich schnell als kalkulierte und extrem brutale Bluttat. Doch wieso musste Lina sterben?

Besonders stark finde ich, wie greifbar und nah die Autorin ihre Figuren gezeichnet hat. Da ist zum einen Leena, mit der ich mich sofort identifizieren konnte. Sie wirkt so unglaublich authentisch: verletzlich, hochkompetent und herzlich. Besonders ihr emphatischer Umgang mit dem Jungen Niilo hat mich berührt. Zum anderen ist da ihr Kollege Sebastian, der mit privaten Problemen zu kämpfen hat, bei denen Leena ihm eine wunderbare Stütze ist. Ich bin gespannt, wie sich ihre Dynamik in den nächsten Bänden weiterentwickelt…

Zugleich blickt man tief in die Abgründe einer vermeintlich heilen Welt: Linas Vater Onni und seine englische Frau Claire führen das elegante Sailors Hotel am Hafen, doch hinter dieser adretten Fassade bröckelt es gewaltig. Auch Linas engster Freundeskreis, bestehend aus Felix, Sophie und Johan, verwickelt sich in widersprüchliche Aussagen, und im Hintergrund schwebt die akute Gefahr um eine weitere verschwundene Sommeraushilfe und einen weiteren Toten. Es sind die vielen fesselnden Nebenschauplätze, die das Puzzlespiel perfekt und das Buch zu einem echten Pageturner machen.

Brandstäter schreibt atmosphärisch so dicht, dass man das helle Licht der finnischen Julinächte förmlich spürt, während sich das Puzzle der Indizien Stück für Stück zusammensetzt. Die starken Ermittler, das authentische Setting und die undurchsichtigen Motive haben diesen Roman zu einem absoluten Highlight für mich gemacht.

Fazit: Ein atmosphärischer, nervenaufreibender Helsinki-Krimi, der gekonnt mit Sommeridylle und eiskalter Spannung spielt. Eine absolute Leseempfehlung für alle, die tiefgründige Ermittlerteams und echtes skandinavisches Flair lieben!