Packender Plot, aber sprachlich holprig und völlig überladen

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Packender Plot, aber sprachlich holprig und völlig überladen

Lisa Sarah Brandstäter – Tod in heller Sommernacht: Ein Helsinki-Krimi (Ullstein Verlag)

Erster Eindruck & Handlung:
Die Grundstory ist eigentlich gar nicht schlecht. Es geht im Kern darum, dass eine Frau mehrfach überfahren wird und danach noch ein weiterer Mord geschieht. Die Kommissarin Leena Victor aus Helsinki ermittelt in einem idyllischen finnischen Küstenort – einem Ort, an dem man lieber Urlaub machen möchte, als so vielen Verbrechen zu Begegnen.
Die Handlung an sich war durchaus mitreißend, sodass ich das Buch einigermaßen schnell auslesen konnte.

Schreibstil & Sprache:
Der Schreibstil war für mich leider deutlich gewöhnungsbedürftig. Ich bin beim Lesen immer wieder über seltsame Formulierungen gestolpert. Ab Seite 259 wurde es mir dann wirklich zu viel. Beispiele wie „... aber, wir waren ok damit!“ (S. 259) oder „Es muss, verstehst du?“ (S. 261) wirken sprachlich einfach unrund.

Zudem störten mich belehrende Formulierungen wie „gesunder Salat“. Hier wird versucht, dem Leser zu diktieren, was gesund ist – dabei verträgt nicht jeder rohes Grünfutter.

Charaktere & Namenswirrwarr:
Mit den Charakteren wurde ich bis zum Schluss nicht richtig warm. Das lag auch an den ständigen Perspektivwechseln zwischen dem Mordopfer, der Kommissarin Leena Victor und verschiedenen Verdächtigen.
Völlig verwirrend war jedoch die Namenswahl: Laura, Leena, Lina... Als ob das Alphabet keine anderen Buchstaben mehr hergibt! Die Namen klingen alle viel zu ähnlich und stiften beim Lesen nur unnötig Verwirrung.

Kritikpunkt – Zu viel des Guten (ACHTUNG, SPOILER!):
Der Krimi wird am Ende so weit aufgelöst und man erfährt auch, was damals mit dem Vater von Leena Victor war. Einzig das Schicksal vom Sohn ihres Kollegen, der seit drei Jahren verschwunden ist, bleibt offen.
Allerdings haben durchweg so ziemlich alle Figuren im Buch extrem zu leiden. Es wurde versucht, fast jede kriminelle Machenschaft und jedes gesellschaftliche Drama in ein einziges Buch hineinzupressen:

Frauen brechen ihr Studium ab, rutschen in die totale finanzielle Abhängigkeit, werden betrogen, psychisch fertiggemacht oder von ihren Männern geschlagen. Dazu kommen Ehekrisen, drogenabhängige Jugendliche, Diebstähle, Einbrüche, K.-o.-Tropfen und der Missbrauch eines kleinen Jungen.

Am Ende hat man sogar Mitleid mit dem Mörder (mehr Spoiler verträgt die Rezi nicht). Das war einfach viel zu viel auf einmal. Die eingestreuten Beschreibungen der schönen Landschaft reichten als Durchatmer kaum aus.

Lesezeichenfees Fazit:
Ein vom Plot her spannender Krimi, dem weniger Inhalt gutgetan hätte. Die Überladung mit traumatischen Themen, der holprige Schreibstil und das verwirrende Namenschaos trüben den Lesespaß. Daher verbleibe ich mit soliden 3 von 5 Sternen.