Ein tolles Buch im Buch

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duckyputz Avatar

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Susan Ryeland ist zurück in London, nachdem sie in Griechenland gelebt hat. Dort arbeitet sie als freie Lektorin. Ihr neuer Auftrag ist ein heikler: Sie soll den neuen Atticus-Pünd-Roman bearbeiten, geschrieben von einem jungen Autor namens Eliot Crace. Susan will eigentlich nichts mehr mit den Pünd-Büchern zu tun haben, denn die Arbeit an ihnen hat sie früher schon in ernsthafte Gefahr gebracht. Doch sie lässt sich überreden – und bald zeigt sich, dass auch dieser Fall mehr mit der Realität zu tun hat, als ihr lieb ist. In der Geschichte um Eliot Crace und seine wohlhabende, geheimnisvolle Familie tun sich dunkle Abgründe auf, die über das Manuskript hinausreichen.
Anthony Horowitz hat wieder ein sehr raffiniertes Spiel mit Fiktion und Realität geschaffen. Das Buch enthält gleich mehrere Erzählebenen: die eigentliche Handlung um Susan, den Pünd-Krimi, den sie lektoriert, und sogar Ausschnitte aus Pünds eigenem Manuskript. Dieses “Buch im Buch im Buch”-Konzept ist anspruchsvoll, macht aber großen Spaß, wenn man sich darauf einlässt. Die vielen Anspielungen, Motive und Querverweise zeigen, wie sorgfältig Horowitz seine Geschichten konstruiert. Wer literarische Krimis mit klassischem Flair mag, wird hier auf seine Kosten kommen.
Besonders gelungen sind die Einblicke in das Verlagswesen. Themen wie Bestseller-Logik, Manuskripte, Lektorat und der Umgang mit nicht verkauften Büchern geben dem Roman zusätzlich Tiefgang. Auch der Humor und die Beobachtungen über das Schreiben und Veröffentlichen lockern die Handlung auf.
Kritisch sehe ich, dass der Einstieg trotz des gewohnt flüssigen Stils etwas zäh wirkt, weil die vielen Ebenen und Figuren zunächst verwirren können. Außerdem ist das Tempo insgesamt ruhiger als bei manch anderem Horowitz-Krimi – weniger Nervenkitzel, dafür mehr Struktur und Sprachwitz. Nach und nach gewinnt die Geschichte aber an Zugkraft, und die Auflösung bleibt wie üblich überraschend.
Mord zur Teestunde ist ein cleverer, wohlkomponierter Krimi, der zugleich Unterhaltung und literarisches Spiel bietet. Kein rasanter Thriller, aber eine kunstvolle Hommage an die großen Detektivgeschichten – durchdacht, geistreich und mit viel Liebe zum Detail geschrieben.