Da stimmt etwas doch nicht....

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katlo Avatar

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Ich war schon nach den ersten Seiten komplett drin in der Geschichte. Es geht ohne großes Vorgeplänkel los, man wird direkt in eine Situation geworfen, die sofort Fragen aufwirft. Dieses Gefühl, dass „da etwas nicht stimmt“, zieht sich dann konsequent durch das ganze Buch.
Was mir beim Lesen besonders aufgefallen ist, ist die Erzählstruktur. Die Handlung springt immer wieder zwischen verschiedenen Zeitpunkten hin und her. Mal ist man in der Gegenwart, mal wieder in der Vergangenheit rund um diesen einen entscheidenden Moment, der alles ausgelöst hat. Anfangs musste ich mich kurz orientieren, aber sobald ich die Figuren besser kannte, hat genau dieses Hin- und Herspringen für mich den Reiz ausgemacht. Stück für Stück setzt sich das Puzzle zusammen, ohne dass man jemals das Gefühl hat, schon alles zu wissen.
Im Zentrum stehen natürlich Mel und Chloe, und ihre Beziehung trägt das Buch für mich komplett. Da ist diese Mischung aus Vertrautheit, Spannung und etwas Unausgesprochenem, das ständig zwischen ihnen mitschwingt. Gerade Chloe bleibt lange schwer greifbar, fast schon rätselhaft, während ich Mel deutlich schneller einordnen konnte. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr verschieben sich aber auch diese Wahrnehmungen.
Was ich spannend fand: Es geht zwar vordergründig um einen Kriminalfall und um das, was damals passiert ist, aber eigentlich steckt viel mehr dahinter. Schuld, Loyalität und die Frage, wie weit man für einen anderen Menschen gehen würde, spielen eine große Rolle. Gleichzeitig gibt es immer wieder Szenen, die überraschend leicht oder sogar humorvoll sind, allerdings eher mit einem ziemlich schwarzen Humor, der gut zur Grundstimmung passt.
Die Atmosphäre wird zusätzlich durch das Setting verstärkt. Diese Abgeschiedenheit, das Gefühl, dass die Figuren nirgendwo wirklich sicher sind hat sich beim Lesen richtig übertragen. Dadurch bleibt die Spannung konstant hoch, auch wenn es zwischendurch ruhigere Passagen gibt.
Ein paar Entwicklungen wirken schon ziemlich zugespitzt, fast ein bisschen zu perfekt aufeinander abgestimmt. Das ist mir aufgefallen, hat mich aber nicht wirklich gestört, weil die Geschichte insgesamt so dynamisch erzählt ist, dass man sich darauf einfach einlässt.
Gegen Ende zieht das Tempo dann nochmal deutlich an, und die Auflösung hat mich tatsächlich überrascht. Rückblickend ergibt vieles Sinn, aber während des Lesens hatte ich mehrere falsche Vermutungen: genau so, wie man es sich bei einem Thriller wünscht.
Für mich war das insgesamt eine ziemlich intensive Mischung aus Spannung und Emotion, die vor allem durch ihre beiden Hauptfiguren funktioniert und mich bis zum Schluss nicht mehr richtig losgelassen hat.