Geballte Frauenpower

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meggie3 Avatar

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Melanie, genannt Mel, und Chloe sind ein Paar, halten ihre Beziehung mit sechzehn aber noch geheim. Als es an Chloes Sweet Sixteen Party zu einem folgenschweren Vorfall kommt, der für den Kleinkriminellen Toby Dunne tödlich endet, verändert sich das Leben der beiden Teenager fundamental. Sie schweigen zu der verhängnisvollen Nacht. Einige Jahre später verschwindet Chloe plötzlich und taucht unter, ohne dass jemand ihren Aufenthaltsort oder ihre Gründe kennt. Während sie sich in der Provinz in Kanada versteckt, wird Mel zu einer ausgezeichneten Privatdetektivin in ihrem US-amerikanischen Heimatort. Als Chloes einflussreicher Vater schwer erkrankt, beauftragt er Mel mit der Suche nach seiner Tochter. Mel gelingt es tatsächlich Chloe aufzuspüren – doch das ist erst der Beginn einer turbulenten und gefährlichen Reise für die Beiden.

Der Thriller bewegt sich auf zwei Zeitebenen. Die eine beschäftigt sich mit der Zeit rund um die Sweet Sixteen Party, die das Leben der beiden Protagonistinnen auf den Kopf gestellt hat. Die andere Zeitebene beginnt drei Jahre nach Chloes Verschwinden, also zu dem Zeitpunkt, als Mel sich auf die Suche nach Chloe begibt. Zusätzlich wird noch aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt – zumeist aus der von Chloe und der von Mel. Dies macht es manchmal kompliziert, aber auch spannend. Nur langsam wird klarer, was die Flucht von Chloe überhaupt ausgelöst hat und was rund um die Sweet Sixteen Party passiert ist. Mir hat das nur langsame Entblättern der Hintergründe gut gefallen.

Ich finde außerdem, dass sich der Schreibstil der Autorin sehr gut lesen lässt. Sie schreibt so, dass ich mir als Leserin die Gegebenheiten und die Situationen sehr gut vorstellen konnte, obwohl das Geschriebene sehr weit von meiner Lebensrealität entfernt ist. Die Sprache ist den unterschiedlichen Personen angepasst, sodass die Dialoge durchaus authentisch wirken. Für einen Thriller ist natürlich besonders wichtig, dass er spannend ist. Mich hat „Tödliche Freundinnen“ sehr gefesselt. Gegen Ende hat das Tempo auch nochmal angezogen. Die Liebesgeschichte zwischen Mel und Chloe hat Raum bekommen, meinem Empfinden nach war das aber über weite Strecken noch im Rahmen. Ich mag es in Thrillern zumeist eigentlich nicht, wenn eine Lovestory das Thrillergeschehen überschattet. Da dies nicht der Fall war, die entsprechende Spannung zwischen den beiden Protagonistinnen natürlich aber eine Rolle gespielt hat, war das für mich stimmig.

Ein anderer Punkt hat mich dafür allerdings etwas gestört: Ich finde die Entwicklung der beiden Teenager zu kaltblütigen, abgezockten Kampfmaschinen schon sehr extrem. Insbesondere bei Chloe ist der Sprung von gut behüteter Prinzessin aus einflussreichem und gutem Hause besonders eklatant. Ich gehe mit, dass extreme Situationen zu extremen Verhaltensänderungen und Entwicklungen führen können – mir war das bei diesem Thriller aber tatsächlich zu wenig explizit herausgearbeitet und deswegen für mich etwas unglaubwürdig.

Ansonsten hat mir der Thriller aber gut gefallen. Ich wollte zu jeder Zeit wissen, wie es weitergeht und habe mich gut unterhalten gefühlt.