Hollywood am platten Strand

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baronc Avatar

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Ein stimmiger Einstieg: Wenn Hollywood auf Nordsee trifft

Der Roman beginnt mit einer ungewöhnlichen Ausgangssituation: Eine bekannte Krimiproduktion dreht in St. Peter-Ording, sodass im ansonsten ruhigen Urlaubsparadies plötzlich ungewohnt viel Trubel herrscht. Ein Hauch von Glamour zieht in die Dünen ein – allerdings nicht lange, denn schon bald wird der Filmstar Titus Frank tot im Sauna­bereich seines abgebrannten Ferienhauses gefunden. Die Ermittlungen zeigen schnell: Es handelt sich um Mord. Dieser Einstieg schafft Spannung, liefert ein starkes Motiv für verschiedene Figuren und verknüpft die typische Ruhe der Nordsee mit einem plötzlichen, dramatischen Umbruch-

Die Tiefe der Charaktere –
Ein Ensemble voller Ecken, Kanten und Sympathie
Eines der größten Highlights dieses Romans ist die charakterliche Ausarbeitung. Obwohl die Geschichte eine Vielzahl an Figuren einführt, wirken sie durchweg authentisch und lebendig. Dies ist eine Kunst, die nicht jeder Krimi beherrscht.

Ernie und Fred –
Charmant unbeholfen, aber herzlich
Die Gemeindepolizisten Ernie und Fred sind zwei Figuren, die auf den ersten Blick beinahe etwas einfältig wirken. Doch gerade diese leichte Überforderung angesichts des Mordfalls gibt ihnen Menschlichkeit. Sie verkörpern das bodenständige St.-Peter-Ording, fernab von Großstadtermittlungen, und gehen gleichzeitig mit Herzlichkeit und Pflichtbewusstsein an ihre Arbeit. Diese Balance aus Humor und Ernsthaftigkeit macht sie für den Leser sofort greifbar und liebenswert. [vorablesen.de]

Ilva, Ute und Ede –
Leidenschaftliche Mitermittler mit Profil
Der Roman erhält besondere Dynamik durch das Einmischen von Ilva (Ernies Schwester) und ihrer Kollegin Ute. Es sind starke Nebenfiguren, die ihre ganz eigenen Motivationen und Sichtweisen einbringen. Der pensionierte Kommissar Ede, Freds Vater, steuert Erfahrung bei und eröffnet eine interessante intergenerationelle Dynamik.

Alle drei Stränge –
die Polizei, die Familie und die Hobbyermittler – bilden ein dichtes Charaktergeflecht, das die Handlung lebendig und vielschichtig macht. Die Autorin schafft es, dass jede dieser Figuren Bedeutung bekommt, ohne zur Karikatur zu verkommen. [vorablesen.de]

Der Mörder –
Ein spannender Blick ins Innere
Ein besonderer erzählerischer Kniff des Romans ist der gelegentliche Wechsel zum Ich-Erzähler, der Einblicke in die Gedankenwelt des Mörders gewährt. Diese Perspektivwechsel sind selten, aber wirkungsvoll dosiert. Sie brechen das neutrale Erzählen auf und fügen der Handlung eine psychologische Dimension hinzu, die sich nachhaltig im Kopf des Lesers verankert. Ein mutiger Schritt im Aufbau, der hervorragend funktioniert.

Fazit: Ein Küstenkrimi, der bleibt
Mit „Tödliche Tide in St. Peter-(M)Ording“ liefert Tanja Janz einen Krimi, der sowohl atmosphärisch als auch emotional überzeugt. Die Figuren besitzen Tiefe, der Aufbau ist wunderbar durchdacht, und die Mischung aus Küstencharme, Familienbande und filmischem Glamour funktioniert überraschend gut.
Ein Roman, der sich nicht nur liest – er wird erlebt.