Ein Thriller, der von seiner Hauptfigur lebt

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miss_jenny Avatar

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Viele Thriller-Zusammenfassungen klingen inzwischen erstaunlich austauschbar. Besonders, wenn man viel in diesem Genre unterwegs ist. Umso schöner ist es, wenn man auf eine Idee stößt, die sofort neugierig macht. Tödliches Angebotvon Marisa Kashino gehörte für mich definitiv dazu.
Die Protagonistin Margo ist alles andere als eine klassische Sympathieträgerin. Schnell wird deutlich, dass sie moralisch eher fragwürdige Züge hat: egoistisch, manipulativ und mit einer leicht verstörenden Sicht auf ihre eigenen Wünsche und Beziehungen. Vor allem auf die zu ihrem Ehemann Ian. Solche Figuren muss man nicht mögen, aber wenn sie gut geschrieben sind, machen sie umso mehr Spaß beim Lesen.
Margo will dieses Haus unbedingt. Und zwar mit einer Besessenheit, die Ian so gar nicht nachvollziehen kann oder will. Zu beobachten, wie sie sich mithilfe von Intrigen, Lügen und Erpressung immer tiefer in ihr eigenes Netz verstrickt, war ausgesprochen unterhaltsam. Dazu kommt, dass das Buch recht kurz ist und sich dadurch angenehm flott lesen lässt.

Der eigentliche Höhepunkt hat mich nicht völlig überrascht. Für meinen Geschmack entfaltet der Thriller-Aspekt erst sehr spät seine volle Wirkung. Das hat meinen Leseeindruck aber kaum geschmälert, denn Margos bissig-humorvolle Vorstellung ihres perfekten Traumlebens war durchgehend amüsant genug, um dranzubleiben.