Gut lesbares Debüt mit Schwächen

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leserin2025 Avatar

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Tödliches Angebot ist das Debüt der Autorin – und als solches liest sich der Roman insgesamt solide und handwerklich durchaus sicher. Im Zentrum steht eine Frau, die bereit ist, extrem weit zu gehen, um endlich ein eigenes Haus zu bekommen. Dieses Motiv ist grundsätzlich interessant und verleiht der Geschichte einen klaren Fokus.

Was jedoch von Beginn an irritiert, ist die Genrezuordnung. Als „Psychothriller“ beworben, weckt das Buch Erwartungen, die es schlicht nicht erfüllt. Dafür fehlt es sowohl an psychologischer Zuspitzung als auch an echter Spannung. Tatsächlich braucht der Roman sehr lange, um überhaupt in Gang zu kommen: Erst um Seite 123 herum passiert etwas wirklich Entscheidendes, und erst ab etwa Seite 160 ist zum ersten Mal ein Hauch von Spannung zu spüren. Das ist für einen Thriller – selbst für einen langsam erzählten – deutlich zu spät. Hier drängt sich der Eindruck eines Etikettenschwindels auf, vermutlich aus Marketinggründen. Liest man das Buch hingegen als Roman, funktioniert es wesentlich besser.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Übersetzung, die stellenweise nicht nur holprig, sondern regelrecht seltsam wirkt. Immer wieder hat man den Eindruck, dass sehr wörtlich – möglicherweise sogar automatisiert – übersetzt wurde. Besonders bei technischen Begriffen fällt das unangenehm auf: Formulierungen wie „der Server ist unten“ oder die Übersetzung von rabbit hole mit „Kaninchenloch“ wirken im Deutschen schlicht unidiomatisch und reißen einen aus dem Lesefluss. Das macht das ohnehin langsame Hineinkommen in die Geschichte zusätzlich schwierig.

Positiv hervorzuheben ist das Ende: Hier zeigt der Roman seine stärkste Seite. Man merkt, dass die Autorin eine klare Idee davon hatte, worauf sie hinauswill.

Unterm Strich ist Tödliches Angebot kein Psychothriller, sondern ein ruhig erzählter Roman mit einigen Schwächen im Aufbau. Wer keine Hochspannung erwartet und darüber hinwegsehen kann, bekommt eine insgesamt ganz gut lesbare Geschichte, die sich – trotz Anlaufschwierigkeiten – bewältigen lässt.