Wer Thriller und moralisch fragwürdige Protagonist:innen mag wird es lieben

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dierotefuchsin Avatar

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Falls Ihnen in letzter Zeit eine Frau aufgefallen ist mit Kopfhörern im Ohr, die sich die Hände vor das Gesicht geschlagen hat, dabei mit dem Kopf schüttelte und immer wieder: „Nein! Nein! Nein! Das kannst du doch jetzt nicht tun! Oh mein Gott, Margo!“ gerufen hat, dabei ganz offensichtlich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gestoßen wurde und trotzdem Spaß zu haben schien... Nun. Das war ich.

Es ist schwer in Worte zu fassen, wieso man eine Person wie Margo mag. Aber sie ist eine grandiose und nicht minder psychotische Protagonistin. Dabei vertont Rebecca Veil Margo so grandios, dass ich das Gefühl hatte sie würde nicht nur einen Text lesen, sondern ihn mit jeder Faser in ihrem Körper fühlen oder vielleicht war es ja doch tatsächlich Margo selbst, die Rebecca kurzer Hand in den Nebenraum gesperrt hat...

Die Geschichte um Margo und ihren Mann Ian, die in Washington verzweifelt versuchen ein Haus zu finden ist toll geschrieben. An manchen Stellen reihen sich die Sätze wie Schüsse aneinander, treffen den Leser/die Leserin tief, an anderen merkt man förmlich wie Margos Rädchen sich im Kopf beginnen zu drehen, langsam ineinander greifen und sich ein Plan formt.
Margo selbst bleibt dabei als Ich-Erzählerin immer nah an uns dran, spricht den Leser auch mal direkt an und ist in ihrer Not ein Haus und ein Baby zu wollen und dabei schon Ende 30 zu sein so nachvollziehbar, dass sich sogar mir bei dem Gedanken, sie könnte es nicht schaffen die Kehle zuschnürt (dabei möchte ich gar kein Baby und ein Haus für 1,3 Millionen ist auch jenseits allem was ich mir leisten wollen würde).
Die Kapitel haben eine perfekte Länge um genug zu erzählen, Tempo reinzubringen und dann nicht zu lang zu sein, so dass man sich denkt: Ach, eins noch. Naja gut, noch eins. Und dann enden sie häufig dermaßen spannend, dass aus noch einem und noch einem noch zehn werden.

»Ich werde dieses Haus bekommen, egal, was ich dafür tun muss.« und was genau Margo dafür tun muss und ob das alles so klappt oder sie sich nicht doch verschätzt lesen Sie besser selbst, denn es ist ein irrer Spaß!

Wer Thriller mag, wer gerne vor Spannung an den Seiten klebt (oder dem Lautsprecher aus dem die Stimme von Rebecca Veil dringt) und wer moralisch fragwürdigen Protagonistinnen etwas abgewinnen kann wird Margo lieben und mit dem Buch seine helle Freude haben.