Karin Slaughter kann es halt!

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kerstin600 Avatar

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Karin Slaughter macht keine halben Sachen. Kaum hat man das Buch aufgeschlagen, zieht sie einem den Teppich unter den Füßen weg. Eine Polizistin packt panisch ihre Koffer, man merkt sofort: Hier brennt gewaltig der Baum. Und dann endet die Szene mit einem Schuss ausgerechnet von jemandem, von dem sie ihn am wenigsten erwartet. Zack. Willkommen in der Geschichte.

Danach geht das Tempo nicht einfach immer weiter nach oben, sondern die Autorin wechselt geschickt die Spur. Plötzlich steht eine Beerdigung im Mittelpunkt, und statt Action gibt es erst einmal Menschen. Familien, alte Verletzungen, unausgesprochene Wahrheiten und dieses beklemmende Gefühl, dass hier längst nicht alles so geschniegelt ist, wie es nach außen aussieht.

Besonders gefallen hat mir, wie beiläufig die Autorin ihre Figuren zeichnet. Da wird nichts mit dem Holzhammer erklärt. Ein paar Sätze, ein Blick, eine Erinnerung – und schon hat man das Gefühl, diese Menschen seit Jahren zu kennen. Gleichzeitig schleicht sich ständig der Gedanke ein: “Moment… hier hat doch jeder irgendetwas auf dem Kerbholz.”

Die Atmosphäre hat mich ziemlich schnell gepackt. Keine künstlich aufgeblasene Dramatik, sondern dieses unterschwellige Grummeln, das immer lauter wird. Man ahnt, dass da etwas gewaltig aus dem Ruder gelaufen ist, weiß aber noch überhaupt nicht, wie die ganzen Fäden zusammengehören.

Nach der Leseprobe hatte ich jedenfalls keine Lust, das Buch wieder wegzulegen. Im Gegenteil – ich wollte endlich wissen, wer hier wem was verschweigt und warum offenbar niemand mit wirklich sauberen Händen durch die Gegend läuft. Genau diese Mischung aus Spannung, Familiengeheimnissen und unterschwelligem Unbehagen macht richtig neugierig auf den Rest der Geschichte.