Altes Unrecht

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
janps Avatar

Von

Normalerweise bin ich bei Karin Slaughter immer ein bisschen zwiegespalten. Es gibt Bücher von ihr, die mich komplett gepackt haben, und andere, bei denen ich mich eher durchgekämpft habe. Trotzdem greife ich immer wieder zu. Und diesmal, mit “Tödliches Verderben”, hat es sich gelohnt.
Der zweite Band der North-Falls-Reihe schließt nahtlos an “Dunkle Sühne” an, auch wenn man den ersten Teil nicht unbedingt gelesen haben muss. In der Kleinstadt Verona wird eine Polizistin in ihrem eigenen Zuhause überfallen, und Sheriff Emmy Clifton, die die Ermittlungen übernimmt, gerät dabei an eine Verschwörung, die schon Jahrzehnte alt ist. Verstrickt sind ausgerechnet die mächtigsten Leute der Stadt. Zur Seite steht ihr ihre Schwester Jude, früher bei einer Bundesbehörde. Und ehrlich, dieses Duo hat mich am meisten überzeugt. Die beiden halten zusammen, fangen sich gegenseitig auf, haben aber gleichzeitig genug eigene Probleme und Sorgen, dass es nie kitschig wirkt.
Slaughter fährt diesmal die Brutalität deutlich runter. Sonst kennt man sie ja eher für Szenen, bei denen man kurz das Buch weglegen muss. Hier geht es mehr um alte Lügen, verschwiegene Geschichten und wie langsam alles ans Licht kommt. Für mich war das eine angenehme Abwechslung, weil die Spannung trotzdem da ist, nur eben anders erzeugt.
Und dann ist da noch dieser typische Slaughter-Sog: kurze Kapitel, ein Erzähltempo, bei dem man plötzlich merkt, dass man schon fünfzig Seiten weiter ist, ohne es zu merken. Wer bisher gezögert hat, weil ihre Bücher oft zu hart oder zu verworren waren, bekommt hier einen guten Einstieg!