Slaughter liefert

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Man kann fast die Uhr nach ihr stellen: Karin Slaughter veröffentlicht in schöner Regelmäßigkeit ihre Thriller, nun mit „Tödliches Verderben“ die Fortsetzung von „Dunkle Sühne“.

Als die ehemalige Polizistin Alison Vickery in ihrem Haus erschossen und ihre Tochter Mandy schwer verletzt wird, ist es vorbei mit dem friedlichen Kleinstadtleben. Da Sheriff Emmy Clifton mit ihrer Schwester Jude Archer zufällig dort vorbeikommen, stürzen sie sich auch gleich in die Ermittlungen, bei denen schnell ein Verdächtiger ausgemacht ist – doch ist es wirklich so einfach? Bald sehen sie sich mit einem Strudel aus häuslicher Gewalt und Korruption konfrontiert, bei dem sie schon bald nicht mehr wissen, wem sie trauen können.

Vorab sollte man erwähnen, dass man diese Geschichte lesen kann, ohne den Vorgänger zu kennen, da die Handlung in sich geschlossen ist und Slaughter genügend Referenzen auf das Geschehene liefert – dennoch ist es für das Verständnis und das Eintauchen in die Geschichte sicher besser, wenn man den Vorgänger kennt. Bei mir war das nicht der Fall, weshalb ich mich anfangs etwas schwertat, aber das legte sich zügig. Denn Slaughter weiß, wie man Thriller schreibt: hoher Spannungsbogen, zahlreiche Wendungen und mögliche Verdächtige, eine alte Verschwörung, Perspektivwechsel, Zeitsprünge (sodass man wissen will, was dazwischen passiert), ein Ermittlerduo mit familiären Bezügen, aber gänzlich unterschiedlichen Charakteren (so findet jede(r) ein Identifikationsobjekt – ich schwankte mit meinen Sympathien zwischen den beiden), Puzzleteile, die sich langsam zu einem Bild zusammensetzen lassen, flüssig lesbarer Schreibstil. So viel zum groben Baumuster. Allein anhand der Dicke des Buches ahnt man aber gleich, dass hier nichts so einfach sein kann, wie es zunächst scheint – und damit sind wir mitten im Kleinstadtsumpf: Jeder kennt jeden und es scheint, dass man sich mag und traut, doch hinter den Kulissen sieht es anders aus: Da die Geschichte nicht zuletzt daraus auch ihre Spannung bezieht, ist der Originaltitel („The Secrets We Hide“) besser gewählt als der deutsche. Daneben streut Slaughter kleine Informationsfetzen ein, die auf einen (möglichen) Täter hindeuten, einen oftmals aber nur in die Irre leiten. Auch die „Teilüberschriften“ sind geschickt gewählt, da sie Fragen aufwerfen (sinngemäß etwa „X Minuten vor/nach den Schüssen“). Lediglich der Spagat, ihren Figuren so viel Privatleben zu geben, dass sie glaubhaft wirken, aber den Bogen nicht zu überspannen, gelingt nicht hundertprozentig (Übergewicht Privatleben), weshalb es 3,5 aufgerundete Sterne gibt.