Atmosphärisch, warmherzig und gefühlvoll

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snookie Avatar

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In Tokyo Season geht es um Caitlyn, die auf einer Geschäftsreise in Japan ist. Eines Abends landet sie auf einer Dating-App, die anders funktioniert als andere Dating-Apps, nämlich ohne Fotos, sondern nur mit einer Antwort auf eine Frage. Danach muss jede Nachricht mindestens 75 Wörter umfassen. Auf diesem Weg lernt sie Jude und seine Freunde Emma und Will kennen. Caitlyn begibt sich außerdem auf die Suche nach ihrem Vater, der in Japan lebt und zu dem der Kontakt vor 10 Jahren abgebrochen ist. Auf diesem Weg wird sie von Jude begleitet.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen. Man verfolgt in diesem Buch nicht nur die Handlung, sondern taucht auch richtig in die Atmosphäre ein. Die Beschreibungen der verschiedenen Stadtviertel, der winterlichen Beleuchtungen, kleiner Dekorationen, japanischer Speisen und alltäglicher Gepflogenheiten haben bei mir sofort ein richtiges Tokio-Gefühl ausgelöst. Ich konnte mir die Schauplätze wunderbar vorstellen und hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, selbst ein kleines Stück durch Japan zu reisen. Gut gefallen hat mir dabei, dass Tokio nicht einfach nur eine Kulisse für die Geschichte ist. Die Stadt und das japanische Leben werden zu einem wichtigen Teil der Atmosphäre und verleihen dem Roman etwas ganz Besonderes.

Die Charaktere haben mir auch sehr gut gefallen. Sie waren sehr vielschichtig und authentisch. Besonders gefallen hat mir Caitlyn. Sie wirkte auf mich sehr nahbar und ihre Gedanken und Gefühlswelt waren sehr gut beschrieben, sodass ich einen direkten Bezug zu ihr hatte und ihre Entscheidungen nachvollziehbar waren. Auch die Beziehung zwischen Caitlyn und Jude hat mir unglaublich gut gefallen. Ihre Begegnung entwickelt sich auf eine ruhige und für mich sehr schöne Art und Weise. Zwischen den beiden stehen vor allem Respekt, gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis im Mittelpunkt. Ich mochte sehr, dass sie einander auf Augenhöhe begegnen und sich nicht einfach von überstürzten Gefühlen alles andere ausblenden lassen. Stattdessen lernen sie sich nach und nach kennen, öffnen sich füreinander und geben sich gegenseitig den Raum, den sie brauchen.

Eine Liebesgeschichte steht hier keinesfalls im Mittelpunkt. Für mich ging es im Wesentlichen um Stärke, Mut, Vertrauen und Freundschaft. Um den Mut, sich seinen Ängsten und seiner Vergangenheit zu stellen. Um die Stärke, seinen eigenen Weg zu suchen, auch wenn man noch gar nicht weiß, wohin dieser führt. Und um Menschen, die einem das Gefühl geben, nicht allein zu sein.

Gerade hier wird gezeigt, dass Freundschaft unter anderem durch Zusammenhalt geprägt wird und dass Familie nicht immer nur durch Verwandtschaft definiert wird. Manche Menschen werden zu einem Zuhause, obwohl man sie ursprünglich gar nicht gesucht hat.
Gleichzeitig mochte ich die Geschichte rund um die Suche nach ihrem Vater und Caitlyns eigener Identität. Ihre Reise nach Tokio ist dadurch nicht nur eine Reise an einen anderen Ort, sondern auch eine Reise zu sich selbst. Die Suche nach Antworten verbindet sich mit der Frage, wer man eigentlich sein möchte und wo man hingehört.

Insgesamt ist das Buch für mich eine warmherzige Geschichte mit viel Gefühl, einer wunderschönen Tokio-Atmosphäre und großartigen Charakteren. Für mich eine rundum gelungene Geschichte, die mich berührt und mit einem warmen Gefühl zurückgelassen hat.