Leise Geschichte, wunderschön

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firecanyon Avatar

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Bei „Tokyo Seasons“ hat mich vor allem das Setting angesprochen. Tokio im Winter wird sehr stimmungsvoll beschrieben, ohne dass die Stadt nur eine hübsche Kulisse für die Liebesgeschichte bleibt. Beim Lesen hatte ich tatsächlich das Gefühl, Caitlyn und Jude auf ihren Wegen durch die verschiedenen Viertel zu begleiten. Gerade die ruhigeren Momente in der Stadt haben mir dabei besonders gefallen.

Die Idee mit der Dating-App, bei der jede Nachricht mindestens 75 Wörter haben muss, fand ich zunächst etwas ungewöhnlich, aber interessant. Dadurch lernen sich die Figuren auf eine andere Art kennen, als man es aus vielen Romance-Geschichten kennt. Dass Caitlyn später erfährt, dass sie eigentlich mit Jude geschrieben hat, bringt natürlich einiges durcheinander. Ihre Enttäuschung darüber konnte ich gut nachvollziehen und fand es angenehm, dass sich anschließend nicht sofort alles in Wohlgefallen auflöst.

Caitlyn und Jude sind beide Figuren, die ihr eigenes Päckchen mitbringen. Besonders Judes schwieriges Verhältnis zu seinen Eltern gibt der Geschichte mehr Tiefe. Gleichzeitig geht es bei Caitlyn um die Frage, wo sie hingehört und was sie eigentlich für sich selbst möchte. Auch die Freundesgruppe spielt eine größere Rolle, was mir gut gefallen hat, weil dadurch nicht ausschließlich die Romanze im Mittelpunkt steht.

Die Geschichte wird insgesamt eher ruhig erzählt. Wer ständig große Wendungen und Drama erwartet, könnte sie stellenweise etwas langsam finden. Für mich hat das aber gut zu Caitlyn, Jude und der winterlichen Atmosphäre gepasst. An manchen Stellen hätte die Handlung trotzdem ein wenig schneller vorankommen dürfen.

Insgesamt hat mir „Tokyo Seasons“ gut gefallen. Die Kombination aus Tokio, Freundschaft, persönlicher Neuorientierung und einer langsam entstehenden Liebesgeschichte funktioniert schön zusammen. Vor allem die Atmosphäre und die etwas nachdenklicheren Seiten der Geschichte sind mir nach dem Lesen in Erinnerung geblieben.