Leise Töne
Über eine Dating-App lernen sich Caitlyn und Jude kennen – und obwohl sie sich zunächst nur schreiben, sind sie erstaunlich schnell auf einer Wellenlänge. Was daraus entsteht, ist keine große, dramatische Liebesgeschichte, sondern eine langsame und vorsichtige Annäherung, bei der vor allem die Stimmung im Vordergrund steht.
Der Roman ist leise, warm und für mich ein echter Wohlfühlroman. Besonders das Setting hat mir gefallen: Das vorweihnachtliche Tokio wird so schön eingefangen, dass man beim Lesen direkt Lust bekommt, selbst durch die beleuchteten Straßen zu schlendern.
Die Charaktere sind sehr authentisch beschrieben und wirken mit ihren Gedanken, Unsicherheiten und Gefühlen lebendig. Gleichzeitig hätte ich mir an manchen Stellen noch etwas tiefgründigere Gespräche gewünscht. Gerade bei einigen Themen hatte ich das Gefühl, dass noch mehr Tiefe möglich gewesen wäre.
Nicht ganz verstehen konnte ich Caitlyns Mutter und ihr Verhalten. Warum sie so handelt, wurde für mich nicht wirklich erklärt, wodurch dieser Teil etwas unbefriedigend blieb.
Trotzdem ist es ein kurzweiliger Roman, der mich nachdenklich zurückgelassen hat. Besonders die Atmosphäre ist für mich eine große Stärke. Beim Lesen bekommt man jedenfalls schnell Lust, Tokio selbst einmal zur Vorweihnachtszeit zu erleben. 4,5/ 5 Sterne