Zwischen Wohlfühlroman und bedrückender Melancholie

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reishimura Avatar

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Seit meiner ersten Dienstreise vor mehr als zehn Jahren nach Japan bin ich fasziniert von dem Land, der Kultur und der Sprache. Daher freue ich mich immer, wenn ich Romane von japanischen Autor:innen finde oder Bücher die in Japan spielen. Somit war für mich sofort klar, dass ich dieses Buch lesen muss. Meine Erwartungen an den Roman und die Realität haben leider nicht immer übereingestimmt. Daher war dies ein recht durchwachsenes Leseerlebnis.

Der Einstieg in das Buch ist mir gut gelungen. Ich habe die Atmosphäre als angenehm empfunden und mich auch gut mit den Charakteren anfreunden können. Der Nachrichtenaustausch zwischen Caitlyn und Will war sehr interessant und zwischendurch auch amüsant. Der Beginn hat mir wirklich den Eindruck vermittelt, dass es sich hier um ein sehr romantisches Wohlfühlbuch handeln wird.

Dieser Eindruck hat allerdings nicht lange angehalten. Denn je weiter ich in der Geschichte fortgeschritten bin, umso düsterer und bedrückender wurde die Stimmung. Wobei ich dazusagen muss, dass nicht wirklich etwas schlimmes in dem Buch passiert und keine detaillierten Gewaltschilderungen oder ähnliches vorkommen. Trotzdem sind die behandelten Themen sehr herausfordernd und für mich auch aufwühlend gewesen. Dies hatte ich in der Form nicht erwartet und es hat für mich auch das Leseerlebnis ein wenig getrübt. Allerdings muss man der Autorin Anne Pätzold auch zugutehalten, wie eindrucksvoll sie es schafft Stimmungen zu erzeugen und diese auch auf die Leserschaft zu übertragen.

Der Handlungsort ist in vielen Büchern eigentlich recht irrelevant und man könnte das Buch auch mit Leichtigkeit an einem anderen Ort spielen lassen. In diesem Fall aber eher nicht. Denn Tokio ist schon ein wichtiger Bestandteil des Buches. Die Schilderungen der Örtlichkeiten hätten für meinen Geschmack gerne noch ausführlicher und detaillierter sein können, aber man bekommt auch so einen guten Einblick.

Die Dynamik zwischen Jude und Caitlyn kann ich nur als außergewöhnlich, wertschätzend und dennoch befremdlich beschreiben. Die beiden Charaktere heben sich deutlich von den klassischen Protagonisten in romantischen Büchern ab. Einerseits war dies durchaus interessant, andererseits fand ich ihren Umgang miteinander aber einfach nur seltsam. Vielleicht konnte ich mich persönlich mit dieser Art des Umgangs einfach nicht identifizieren.

Dieses Buch ist kein alltäglicher Liebesroman mit großen Gefühlen, Funkensprühen und Spice. Es ist ein sehr leiser Roman, der zum Nachdenken anregen kann und eine andere Art der Liebe zeigt. Ein durchaus interessantes Konzept, aber nicht das was ich mir erhofft hatte.