Manchmal reicht eine einzige Szene – und man weiß: Dieses Buch hat Herz.

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boardgiulie Avatar

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Mitten in der Stadt, in Hausnummer 12, lebt eine Rattenfamilie, die man sofort ins Herz schließt. Schon auf den ersten Seiten wird klar: Hier steckt so viel Wärme zwischen Schuhkartons, Kellerregalen und Lichterketten. Als plötzlich ein kleines, piepsendes Vogelküken vor ihrer Nase landet, beginnt eine Geschichte über Mitgefühl, Verantwortung und Familie, die ganz leise daherkommt – und genau deshalb so stark ist.

Was ich besonders schön finde: Die Ratten sind keine Nebenfiguren, sie sind Charaktere mit Ecken, Humor und ganz eigener Dynamik. Opa Theo mit seinem leicht brummigen Charme. Die neugierige Nelli. Die kluge, entschlossene Rita. Und dann dieses winzige, hilflose Taubenküken, das einfach da ist – und bleibt.

Die Szene, in der klar wird, dass die Eltern nicht zurückkommen, ist berührend, ohne dramatisch zu sein. Kein großes Pathos. Einfach dieses: „Dann bleibt der Kleine eben hier.“ Und plötzlich geht es nicht mehr nur um ein Vogelbaby. Es geht um Zugehörigkeit.

Auch sprachlich fühlt sich alles rund an – lebendig, dialogreich, mit genau der richtigen Portion Humor („Columbi-was?“). Gleichzeitig schwingt ein leiser Gedanke mit: Tauben sind eben nicht nur „Ratten der Lüfte“. Vielleicht müssen wir manchmal nur genauer hinschauen.

Und die Illustrationen? Warm, detailverliebt, voller kleiner Szenen, die man immer wieder neu entdecken möchte. Dieses leicht schummrige Kellerlicht, die Stadt im Hintergrund – es fühlt sich cozy an. Fast wie ein kleines Geheimnis, das man beim Vorlesen gemeinsam entdeckt.

Mein erster Eindruck:
Eine Geschichte über Pflegefamilie, über Anderssein und über das ganz selbstverständliche Helfen. Unaufgeregt, liebevoll und mit einem großen Herzen für Tiere.

Ich bin sehr gespannt, wohin Tom noch fliegen wird. 🕊️✨