Düsteres Thrillerdebüt
Das Cover ist ein Eyecatcher mit seinen poppigen, grellen Farben. Das ist die erste falsche Fährte, auf die die Lesenden im Zuge der Lektüre von Sophie Czernys "Totensee" noch stoßen werden. Gemessen an der extrem düsteren Grundstimmung müsste das Buch komplett schwarz daherkommen, auch im Hinblick auf die Hauptprotagonistin Ada Sabel.
Schon im Prolog geht es fulminant los und es wird gleich klar, dass hier auf die Lesenden einiges zukommt.
Fünf Monate ist es her, dass Ada Sabels Tochter Mara entführt wurde. Doch keiner ihrer Kollegen in der Mordkommission des LKA Wien glaubt der bis dato erfolgreichen Ermittlerin und gehen davon aus, dass Mara nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter ausgerissen ist. Die Umstände bescheren Ada sogar die Suspendierung, durch die sie sowohl physisch als auch psychisch in eine Abwärtsspirale gerät. Als im Donaukanal eine kopflose Leiche gefunden wird auf deren Rücken ihr Name eingeritzt ist, ist für Ada klar, dass das mit der Entführung ihrer Tochter zusammenhängt. Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln und die Spuren führen nicht nur in ein katholisches Kinderheim, sondern auch tief in Adas Vergangenheit.
Das erste Viertel des Buches hat mich ziemlich gefordert. Die Handlung springt extrem hin und her, einerseits bedingt durch die sehr kurzen Kapitel, die im Schnitt nur 2-3 Seiten umfassen, andererseits aber auch durch die drei bzw. vier Zeitachsen. Neben der Haupthandlung in der Gegenwart in 12/2002, sind da noch Rückblenden zur Entführung der Tochter fünf Monate zuvor und Ereignisse in einem katholischen Kinderheim vor 14 bzw.15 Jahren. Dazu kommen in der Gegenwart noch die gedanklichen Erinnerungen Adas, die flashbackartig aufblitzen. Aber der Verwirrung damit nicht genug, sind die parallelen Geschehnisse in der Gegenwart zusätzlich eine Herausforderung ob ihrer Komplexität und Fülle.
Auch im weiteren Verlauf bleibt die Erzählweise rasant, in diesem Sinne also wirklich ein echter Pageturner. Aber die tiefen menschlichen Abgründe, die den Lesenden hier zugemutet werden, erreichen ein Maß an Widerlichkeit, das mir ein Weiterlesen teilweise schwer gemacht hat. Da wäre eine Triggerwarnung im Vorfeld evtl. angebracht. Denn hier geht es nicht nur um Mord und Totschlag, sondern um extreme Selbstverletzung und um Missbrauch in seinen schlimmsten Formen. Da bleibt nicht viel der Fantasie überlassen.
Das Ende lässt mich trotz Showdown mit etwas gemischten Gefühlen zurück, war für mich in Bezug auf die vorangegangene Komplexität dann ein bißchen zu schnell, zu glatt, da hätte ich mir noch einen Paukenschlag gewünscht.
Die Hauptprotagonistin Ada Sabel war mir zu keiner Zeit wirklich sympathisch, noch konnte ich mich in ihr Denken und Handeln hineinversetzen, trotz ihrer schlimmen persönlichen Vita. Insgesamt war mir ihr Charakter etwas zu überzeichnet. Die anderen Charaktere blieben daneben teilweise etwas blass und diffus.
Insgesamt ist Sophie Czerny mit "Totensee" aber durchaus ein packendes Thrillerdebüt gelungen. Wer harte Psychothriller mag und über ein paar kleinere Schwächen und Ungereimtheiten hinwegsehen kann sollte zugreifen.
Schon im Prolog geht es fulminant los und es wird gleich klar, dass hier auf die Lesenden einiges zukommt.
Fünf Monate ist es her, dass Ada Sabels Tochter Mara entführt wurde. Doch keiner ihrer Kollegen in der Mordkommission des LKA Wien glaubt der bis dato erfolgreichen Ermittlerin und gehen davon aus, dass Mara nach einem heftigen Streit mit ihrer Mutter ausgerissen ist. Die Umstände bescheren Ada sogar die Suspendierung, durch die sie sowohl physisch als auch psychisch in eine Abwärtsspirale gerät. Als im Donaukanal eine kopflose Leiche gefunden wird auf deren Rücken ihr Name eingeritzt ist, ist für Ada klar, dass das mit der Entführung ihrer Tochter zusammenhängt. Auf eigene Faust beginnt sie zu ermitteln und die Spuren führen nicht nur in ein katholisches Kinderheim, sondern auch tief in Adas Vergangenheit.
Das erste Viertel des Buches hat mich ziemlich gefordert. Die Handlung springt extrem hin und her, einerseits bedingt durch die sehr kurzen Kapitel, die im Schnitt nur 2-3 Seiten umfassen, andererseits aber auch durch die drei bzw. vier Zeitachsen. Neben der Haupthandlung in der Gegenwart in 12/2002, sind da noch Rückblenden zur Entführung der Tochter fünf Monate zuvor und Ereignisse in einem katholischen Kinderheim vor 14 bzw.15 Jahren. Dazu kommen in der Gegenwart noch die gedanklichen Erinnerungen Adas, die flashbackartig aufblitzen. Aber der Verwirrung damit nicht genug, sind die parallelen Geschehnisse in der Gegenwart zusätzlich eine Herausforderung ob ihrer Komplexität und Fülle.
Auch im weiteren Verlauf bleibt die Erzählweise rasant, in diesem Sinne also wirklich ein echter Pageturner. Aber die tiefen menschlichen Abgründe, die den Lesenden hier zugemutet werden, erreichen ein Maß an Widerlichkeit, das mir ein Weiterlesen teilweise schwer gemacht hat. Da wäre eine Triggerwarnung im Vorfeld evtl. angebracht. Denn hier geht es nicht nur um Mord und Totschlag, sondern um extreme Selbstverletzung und um Missbrauch in seinen schlimmsten Formen. Da bleibt nicht viel der Fantasie überlassen.
Das Ende lässt mich trotz Showdown mit etwas gemischten Gefühlen zurück, war für mich in Bezug auf die vorangegangene Komplexität dann ein bißchen zu schnell, zu glatt, da hätte ich mir noch einen Paukenschlag gewünscht.
Die Hauptprotagonistin Ada Sabel war mir zu keiner Zeit wirklich sympathisch, noch konnte ich mich in ihr Denken und Handeln hineinversetzen, trotz ihrer schlimmen persönlichen Vita. Insgesamt war mir ihr Charakter etwas zu überzeichnet. Die anderen Charaktere blieben daneben teilweise etwas blass und diffus.
Insgesamt ist Sophie Czerny mit "Totensee" aber durchaus ein packendes Thrillerdebüt gelungen. Wer harte Psychothriller mag und über ein paar kleinere Schwächen und Ungereimtheiten hinwegsehen kann sollte zugreifen.