Lesesog

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„Totensee“ ist definitiv kein Thriller, der es einem am Anfang ganz leicht macht. Die Geschichte startet mit einer Vielzahl von Figuren, Schauplätzen und Zeitebenen, sodass ich zunächst einige Mühe hatte, überhaupt einen Überblick zu bekommen. Gerade die ersten Kapitel wirkten auf mich dadurch eher kompliziert und haben den Spannungsaufbau ein wenig gebremst.

Im Mittelpunkt steht Ada Sabel, eine suspendierte Kommissarin, deren vierzehnjährige Tochter verschwunden ist. Als eine kopflose Leiche gefunden wird, auf deren Rücken Adas Name eingeritzt wurde, beginnt für sie eine verzweifelte Suche nach Antworten. Ada ist dabei eine ungewöhnlich kaputte Hauptfigur. Sie macht Fehler, trifft zweifelhafte Entscheidungen und trägt selbst jede Menge Ballast mit sich herum. Gerade das macht sie aber interessant.

Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto besser greifen die einzelnen Handlungsstränge ineinander. Was anfangs noch völlig zusammenhanglos wirkt, ergibt nach und nach ein immer klareres Bild. Gleichzeitig wird der Thriller zunehmend härter und stellenweise wirklich brutal. Die kurzen Kapitel sorgen zusätzlich dafür, dass das Tempo immer weiter anzieht.

Besonders gefallen haben mir die Rückblicke in Adas Vergangenheit. Sie erklären nach und nach, warum sie zu der Frau geworden ist, die wir zu Beginn kennenlernen, und haben dafür gesorgt, dass ich ihr emotional immer näher gekommen bin.

Der Einstieg hat mich zwar einiges an Geduld gekostet, aber das Durchhalten hat sich definitiv gelohnt. Aus dem zunächst verwirrenden Puzzle entwickelt sich ein düsterer, temporeicher und stellenweise ziemlich harter Thriller, der mich am Ende deutlich stärker gepackt hat, als ich anfangs erwartet hatte.