Menschliche Abgründe

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dieunterhoferin Avatar

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Cover:
Das Buchcover fällt durch die Farben und die Gestaltung gut auf. Es vermittelt für mich auch eine unheilvolle Stimmung, was wiederum gut zum Titel und zur Beschreibung passt.

Handlung & Charaktere:
Ada Sabel ist Kommissarin vom LKA Wien und derzeit suspendiert. Niemand glaubt Ada, dass ihre 14-jährige Tochter Mara entführt wurde, und die Ungewissheit quält sie seit Monaten. Als eine kopflose Leiche gefunden wird, in die Adas Name eingeritzt wurde, ist sich die Kommissarin sicher, dass es sich um eine Botschaft des Entführers handelt. Auf eigene Faust folgt sie der Spur und weckt damit auch ihre eigenen Dämonen der Vergangenheit.

Ada ist mir als Hauptfigur auf Anhieb sympathisch. Sie scheint eine toughe Frau zu sein, die verständlicherweise sehr darunter leidet, dass ihre Tochter Mara verschwunden ist. Was mir an ihr besonders gut gefällt, ist, dass sie sich nicht darum schert, was andere Leute von ihr halten und sie ihr Ding macht. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr muss sich Ada mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen und was man so über sie erfährt, macht fassungslos und sehr betroffen. Generell ist es Sophie Czerny meiner Meinung nach toll gelungen Charaktere zu erschaffen, die starke Emotionen auslösen. Von Mitgefühl, Mitleid, Hilflosigkeit, Schrecken, Abscheu und Wut ist alles dabei. Es sind sehr menschliche, und (manchmal leider) recht realitätsnähe Figuren, die auch die Bandbreite menschlichen Abschaums verdeutlichen.

Schreibstil & Erzählweise:
Die Autorin schreibt sehr spannend, sodass ich von Anfang an in den Bann gezogen wurde. Die kurzen Kapitel mag ich sehr, weil sie meiner Meinung nach die Handlung dynamischer machen. Die Handlung selbst spielt auf mehreren Zeitebenen: Zum einen in der literarischen Gegenwart Ende des Jahres 2002, zum anderen gibt es mehrere Rückblicke, die meist 15 Jahre früher spielen. Daneben gibt es auch immer wieder Szenen in der literarischen Gegenwart, bei denen mal beim Lesen Zeuge eines Verbrechens wird. Die Spannung bleibt dadurch über das Buch hinweg super aufrecht und die Geschichte fügt sich Stück für Stück wie ein Puzzle zusammen. Ebenso lädt diese Erzählweise stark zum Miträtseln und Mitfiebern ein.

Meinung & Fazit:
„Totensee“ von Sophie Czerny ist ein tolles Thrillerdebüt und hat mich sowohl von der Handlung, dem Spannungsaufbau und den Figuren überzeugt. Stück für Stück offenbaren sich immer mehr menschliche Abgründe, die beim Lesen fassungslos machen und den Puls in die Höhe schnellen lassen. Gleichzeitig fiebert man mit Ada mit und möchte ihr am liebsten helfen. Ein großartiger, düsterer Thriller!