Verzweifelte Suche

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dimity74 Avatar

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Adas Tochter wurde entführt, aber niemand glaubt der Kommissarin, die Situation in der man Ada nach der vermeintlichen Entführung aufgefunden hat ist ziemlich speziell, hat Ada da doch, stark alkoholisiert, einen Verkehrsunfall mit ihrem Dienstwagen verursacht. Natürlich wird sie auf Grund der Ereignisse Suspendiert, was ihr schwer zu schaffen macht, fehlen ihr so doch die Möglichkeiten auf eigene Faust nach ihrer Tochter zu suchen.

Das Szenario ist mehr als bedrückend, eine Mutter, deren Kind entführt wurde und niemand schenkt einem Glauben und auch wen die Autorin die Gründe für diesen Unglauben nachvollziehbar darstellt, das schwierige Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, ein vorangegangener Streit, der Unfall unter Alkohol, all das macht Adas Aussage unglaubwürdig, aber trotzdem ist man als Leser geschockt, warum hier niemand auch nur ansatzweise versucht zu ermitteln, wo das Mädchen sein könnte und sei es nur, um Adas Behauptung zu widerlegen. Schon echt heftig. Mit diesem Grundszenario schafft die Autorin natürlich die perfekte Grundlage für das weitere Geschehen. Sie begründet so Adas Gemütszustand, ihr Verhalten und natürlich ihren unvermeidlichen Alleingang bei den Ermittlungen, eine Tatsache die enorm zum Spannungsaufbau beiträgt.

Auch wenn ich spezielle Ermittlerfiguren mag und Ada ist zweifelsohne sehr speziell, war mir das hier manchmal fast zu viel und fast auch etwas unglaubwürdig. Hier hat sich die Autorin schon sehr viel Freiheit im Handlungsverlauf gegönnt, aber okay, kann man machen und letztlich ist das Ganze Fiktion und stellt nicht den Anspruch auf das reale Leben und die reale Polizeiarbeit übertragbar zu sein. Leider keine Fiktion sind die Ereignisse, die die Autorin zum Anlass für die Entführung und die Morde nimmt, die im weitern Verlauf der Geschichte passieren. Hier geht es schon sehr an die Substanz und das Beschriebene ist für den Leser oft nur schwer zu ertragen. Ich möchte nicht spoilern, um das näher zu erklären, nur so viel, Adas Vergangenheit als Heimkind spielt bei all dem eine große Rolle. Hier kommt dann auch wieder die Frage auf, ob eventuell eine Triggerwarnung angebracht wäre, wobei ich mir sage, Thriller sind ja von Grund auf heftig und behandeln schwierige Themen, mal ganz abgesehen von Verstümmelung und Mord, das liegt dann auch einfach in der Natur der Sache. Hierzu muss ich auch wieder einmal feststellen, wie extrem brutal Autorinnen hier sein können. Mann neigt ja eher dazu Männern eine blutige Ader zuzuschreiben, aber ich habe schon oft erlebt, dass gerade Autorinnen bis an die Grenzen der Belastbarkeit ihrer Leser*innen gehen und manchmal, so wie hier, auch ein Stück darüber hinaus.

Die Thematik des Thrillers ist nichts für schwache Nerven, die Hintergründe hierzu wirklich herzzerreißend, eigentlich müsste man als Leser voller Sympathie für Ada sein. Ist man aber eigentlich gar nicht, den auch Ada als Figur ist manchmal nur schwer zu ertragen und macht es dem Leser echt nicht leicht sie zu mögen, obwohl man natürlich will, dass man ihr endlich glaubt und ihre Tochter gefunden wird.

Totensee ist ein heftiges Debüt, das mich in Teilen wirklich sprachlos gemacht hat ob der menschlichen Abgründe, der Dinge, zu denen Menschen fähig sind und dem Schaden, der unschuldigen Seelen zugeführt wird.