Wenn eine Mutter alles riskiert

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Mit "Totensee" legt Sophie Czerny ihr Thrillerdebüt vor und schickt ihre Protagonistin Ada Sabel, Kommissarin beim LKA Wien durch einen Albtraum, der kaum persönlicher sein könnte.

Worum gehts?

Ada ist suspendierte Kommissarin beim LKA Wien und seit fünf Monaten auf der verzweifelten Suche nach ihrer 14-jährigen Tochter Mara. Niemand glaubt ihr, dass Mara entführt wurde. Dann taucht am Donaukanal eine kopflose Leiche auf und auf deren Rücken findet sich eine Botschaft, die direkt an Ada gerichtet ist. Für Ada ist sofort klar: Das kann nur mit Maras Entführer zusammenhängen. Von diesem Moment an beginnt sie, auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei führt ihre Suche nicht nur immer tiefer in den Fall hinein, sondern auch in die eigene Vergangenheit.

Meine Meinung

Was mir an "Totensee" besonders gut gefallen hat, ist, dass der Thriller nicht einfach nur auf Ermittlungsarbeit und klassische Spannung setzt. Die Geschichte ist deutlich stärker auf der psychologischen und teilweise fast schon gruseligen Seite angesiedelt. Der Thriller arbeitet mit verschiedenen Formen von Gewalt und sehr düsteren Situationen. Wer bei solchen Inhalten empfindlich ist, sollte sich deshalb vorher bewusst sein, worauf er oder sie sich einlässt.

Ada ist dabei eine Figur, die stark über ihre Verzweiflung funktioniert. Ihre Tochter ist verschwunden, die offiziellen Stellen glauben ihr nicht und gleichzeitig bekommt sie Hinweise, die sie unmöglich ignorieren kann. Dadurch entsteht ein interessanter Konflikt: Ada ist Ermittlerin und Mutter zugleich. Sie verfügt über Wissen und Erfahrung, ist aber gleichzeitig emotional unmittelbar betroffen. Ihre Suche nach Mara ist deshalb nicht einfach nur eine nüchterne Ermittlung. Sie hat persönlich alles zu verlieren.

Gerade diese Verbindung macht nachvollziehbar, warum Ada immer wieder Grenzen überschreitet. Gleichzeitig bleibt dabei eine gewisse Spannung bestehen, weil man sich als Leser:in beziehungsweise Hörer:in fragen muss, wohin diese Entschlossenheit noch führen wird.

Was für mich sehr gut funktioniert hat, ist der Spannungsbogen. Trotz der düsteren Thematik hatte ich nie das Gefühl, dass die Geschichte ihre Spannung verliert. Immer wieder kommen neue Hinweise hinzu, die Ada weiter in den Fall hineinziehen. Dabei schafft Czerny es, die Fragen nicht zu schnell zu beantworten. Stattdessen bleibt lange offen, welche Zusammenhänge tatsächlich bestehen und was hinter den Ereignissen steckt. Auch das Ende hat mir grundsätzlich gut gefallen. Der Showdown bringt noch einmal ordentlich Spannung mit und hat für mich gut funktioniert. Lediglich an dieser Stelle hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht.

Ich habe "Totensee" als ungekürztes Hörbuch gehört. Mit einer Laufzeit von 11 Stunden und 47 Minuten ist es kein ganz kurzer Hörgenuss, für mich hat sich die Länge aber gut getragen. Gesprochen wird das Hörbuch von Christiane Marx. Ihre Interpretation passt für mich gut zur düsteren Atmosphäre der Geschichte.

Fazit

"Totensee" ist definitiv kein Thriller für schwache Nerven. Wer empfindlich auf Gewalt und sehr düstere psychologische Themen reagiert, sollte sich dessen bewusst sein. Gleichzeitig ist genau diese beklemmende Atmosphäre eine der großen Stärken des Buches. Mich hat der Thriller insgesamt sehr gut bei der Stange gehalten. Wer psychologische Thriller mag, die eher auf der düsteren beklemmenden Seite liegen und auch vor härteren Themen nicht zurückschrecken, sollte sich "Totensee" näher ansehen. Von mir gibt es eine Empfehlung. Vielen Dank an NetGalley.de und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar.