Abschluss einer Trilogie

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Rabat, 1980: Mia ist sechs Jahre alt, als ihre Schwester Ines geboren wird. Während Ines zu ihrer großen Schwester aufblickt, ist Mia von Hass erfüllt, denn Ines ist das genaue Gegenteil von ihr. Wo Mia kantig ist, ist Ines weich und gefällig, während Mia als nicht besonders hübsch und eher maskulin gilt, wird Ines stets für ihre Schönheit bewundert. Sie wachsen in einem Marokko auf, das Weltoffenheit vorgibt und doch harte gesellschaftliche Grenzen setzt. Ihre Mutter Aisha arbeitet als Gynäkologin, ihr Vater leitet eine Bank. Mia wird zum ersten Mal in ihrer Schulzeit klar, dass sie anders ist, als sie sich in eine Mitschülerin verliebt, mit harten Konsequenzen. Erst ein Umzug zum Studium nach Paris bringt ihr Freiheit - aber auch eine Einsamkeit, die sie nie ganz abschütteln kann.

Mit "Trag das Feuer weiter" findet die Familientrilogie von Leïla Slimani ihren Abschluss - ein würdiges Ende, wie ich finde! Die Trilogie ist angelehnt an die eigene Familiengeschichte der Autorin und erzählt von drei Generationen, teils in Marokko, teils in Paris. Den Handlungsrahmen setzt in "Trag das Feuer weiter" ein Ausschnitt aus Mias Leben während der Corona-Pandemie. Sie ist mittlerweile erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, leidet aber nach einer Corona-Infektion an "Brain Fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt. Um wieder Struktur in ihre Erinnerungen zu bringen, reist sie nach Marokko auf die Farm ihrer Großeltern, spürt dort ihrer Oma Mathilde nach und erinnert sich an ihren Vater, der später in seinem Leben inhaftiert wurde. Ich fand den Roman wieder sehr spannend und bin gerne in das Marokko der 80er und 90er Jahre gereist, allerdings hatte das Buch für mich auch einige Längen. Empfehlen möchte ich es dennoch, vor allem wenn man - wie ich - die beiden Vorbände gelesen hat. Es ist schön zu wissen, wie die Geschichten um Mathilde und Aisha ausgehen.

Übersetzt von Amelie Thoma.