Bewegend

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söphken Avatar

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Dieses Buch hat mich wirklich unerwartet getroffen. Es hat sich nicht nur gut gelesen, sondern mich an Stellen berührt, die ich eigentlich gut versteckt glaubte. Ich habe sofort gemerkt, wie sehr mir die Figuren ans Herz gewachsen sind und wie viel mir ihre Wege bedeuten. Wer die vorherigen Bücher mochte, wird hier ganz bestimmt nicht enttäuscht werden. Für mich fühlt es sich an wie ein Wiedersehen mit etwas Vertrautem, das gleichzeitig gewachsen ist.

Ich habe mich besonders in Mia wiedergefunden. In ihrer Unsicherheit. In dem Gefühl, sich selbst manchmal aus den Händen zu verlieren. In ihrer queeren Identität, die leise und selbstverständlich im Hintergrund mitschwingt. Das hat mich sehr berührt, weil es nicht erklärt wird, sondern einfach da ist. So, wie es im Leben auch sein sollte.

Auch das Thema Erschöpfung hat mich erreicht. Dieser Nebel, der sich zwischen die Gedanken schiebt. Diese Schwere, die manchmal selbst alltägliche Dinge zu Herausforderungen macht. Slimani beschreibt das ohne Drama und trotzdem mit einer Genauigkeit, die fast weh tut. Ich hatte das Gefühl, gesehen zu werden, ohne dass das Buch direkt von mir spricht.

Die Länge des Romans habe ich als Geschenk empfunden. Es gibt Raum, um zu fühlen. Raum, um zu atmen. Raum, um anzukommen. Ich konnte mir beim Lesen Zeit nehmen, und das hat sich gut angefühlt. Kein Hetzen, kein Drängen. Nur die Geschichte, die sich in ihrem eigenen Tempo entfaltet.

Am Ende bin ich mit einem warmen Gefühl aus dem Buch gegangen. Einer Mischung aus Melancholie, Hoffnung und einem kleinen Funken Mut. Vielleicht ist das dieses Feuer, von dem die Geschichte spricht. Ein Licht, das man im Inneren weiterträgt.