Fremd im eigenen Land

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herbstrose Avatar

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Nach überstandener Erkrankung an Corona leidet Mia, eine in Paris lebende erfolgreiche Schriftstellerin, an »brain fog«, einer Gedächtnisstörung, die ihr das Arbeiten erschwert. Ihr Arzt rät ihr nach Marokko, in das Land ihrer Kindheit, zu reisen, um dort ihre Gedanken zu ordnen und sich mit der Vergangenheit zu befassen. In Meknès auf der Farm ihrer Großeltern angekommen, fühlt sie sich fremd und nicht dazugehörig. Dann beginnt sie die Geschichte ihrer Familie zu erkunden:
1980, als ihre Schwester Inès geboren wurde, war Mia sechs Jahre alt. Die Mädchen wachsen in Rabat auf, wo der Vater eine Bank leitet und die Mutter als Gynäkologin arbeitet. Die beiden Schwestern haben sehr unterschiedliche Charaktere, Mia ist eher aufsässig und rebellisch, während Inès sich mühelos den gesellschaftlichen Erwartungen anpasst. Es dauert Jahre, bis sich die beiden Schwestern näherkommen. Für Mia bedeutet ihr Studium in Paris ein Schritt in die Unabhängigkeit. Hier kann sie ihre homosexuellen Gefühle endlich offen ausleben und ihren eigenen Weg gehen …
Leila Slimani, geb. 1981 in Rabat, ist eine französisch-marokkanische Autorin. Sie wuchs in Marokko auf, studierte in Paris und arbeitete als Journalistin, bevor sie eine erfolgreiche Schriftstellerin wurde und 2016 den französischen Literaturpreis „Prix Goncourt“ bekam. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Paris.
„Trag das Feuer weiter“ (2026, Luchterhand-Verlag) ist der letzte Teil der Familientrilogie, die auf der Geschichte von Slimanis eigener Familie basiert. Auch wenn man die beiden vorangegangenen Teile nicht gelesen, hat lässt sich das Geschehen durch das im Vorspann des Buches eingefügte ausführliche Personen- bzw. Familienverzeichnis problemlos verfolgen. Durch ihren fesselnden und detailreichen Schreibstil schafft Slimani es, ihren Lesern die Welt ihrer Charaktere mit ihren Konflikten nahe zu bringen und die politische und historische Geschichte zweier Kulturen, Marokkos und Frankreichs, interessant zu verknüpfen. Der Roman ist vielschichtig und befasst sich mit Themen wie Migration, Identität, Selbstbestimmung, Freiheit und Familie, was ihn zu einem berührenden und nachdenklich stimmenden Werk macht.
Fazit: Ein wunderbares Buch, das besonders Leser mit Interesse an guter Literatur, Kultur und Geschichte anspricht und zum Nachdenken anregt.