generationenübergreifende Familiengeschichte zwischen Marokko und Frankreich, manchmal etwas oberflächlich
Der Roman "Trag das Feuer weiter" von Leila Slimani beginnt mit der Erschöpfung. Sie wird sehr anschaulich beschrieben. Und wird dadurch verstörend unangenehm. Schließlich wird klar: Es ist Mias Erschöpfung. Die Diagnose ist brain fog, man erahnt, wie schlimm es ist.
Ein Rückblick: Rabat, 1980. Mia ist sechs Jahre alt, als ihre Schwester Ines geboren wird. Ihre Mutter ist Gynäkologin, ihr Vater leitet eine Bank. Die Schwestern werden sehr gegensätzlich beschrieben, in dieser Gegensätzlichkeit scheint es kaum Brüche zu geben, sie wirkt dadurch sehr vereinfacht.
Der Fokus wechselt nun zu Selma, Mias Tante, zu Aisha, Mias Mutter, und Ines, der Schwester, weiter zu Selim, dem Onkel. Auch die Perspektiven wechseln. Das wirkt insgesamt etwas willkürlich und unsortiert auf mich. Aufgrund des Klappentextes war meine Erwartung, dass Mia im Fokus stehen wird. Vielmehr beschreibt der Roman jedoch das (teilweise belanglose) Leben einer reichen, privilegierten Familie in Marokko, in der sich die jeweils folgende Generation von der vorherigen emanzipiert. Dabei bleibt mir Mia - wie auch die anderen Figuren - seltsam fremd, da sie nur oberflächlich beschrieben werden. Noch nicht einmal ihr Prozess der jugendlichen Selbstfindung und die gewaltvollen Reaktionen ihrer Mitschüler*innen auf ihr Queersein erreichen mich. Das ist schade. Einzig das Fremdsein in Frankreich - und die damit verbundenen Fragen nach Identität, die alle Familienmitglieder zu verbinden scheinen - wird spürbar.
"Trag das Feuer weiter" ist der dritte Teil einer generationenübergreifenden Familiengeschichte. Die Familie ist geprägt von Dualitäten: Frankreich und Marokko, Moderne und Tradition, Freiheit und strukturelle/ religiöse Unterdrückungsmechanismen und Repressionen.
Da ich die zwei ersten Bände nicht gelesen habe, bin ich dankbar für das Personenverzeichnis, das dem Roman vorangestellt ist.
Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen, aber emotional erreicht mich der Text meist nicht.
Meine Erwartungen begründet in der Leseprobe und den gelesenen Rezensionen haben sich leider nicht erfüllt.
Anmerkung: In der Übersetzung werden teilweise diskriminierende Ausdrücke verwendet, das erscheint mir unpassend, insbesondere ohne Hinweis.
Ein Rückblick: Rabat, 1980. Mia ist sechs Jahre alt, als ihre Schwester Ines geboren wird. Ihre Mutter ist Gynäkologin, ihr Vater leitet eine Bank. Die Schwestern werden sehr gegensätzlich beschrieben, in dieser Gegensätzlichkeit scheint es kaum Brüche zu geben, sie wirkt dadurch sehr vereinfacht.
Der Fokus wechselt nun zu Selma, Mias Tante, zu Aisha, Mias Mutter, und Ines, der Schwester, weiter zu Selim, dem Onkel. Auch die Perspektiven wechseln. Das wirkt insgesamt etwas willkürlich und unsortiert auf mich. Aufgrund des Klappentextes war meine Erwartung, dass Mia im Fokus stehen wird. Vielmehr beschreibt der Roman jedoch das (teilweise belanglose) Leben einer reichen, privilegierten Familie in Marokko, in der sich die jeweils folgende Generation von der vorherigen emanzipiert. Dabei bleibt mir Mia - wie auch die anderen Figuren - seltsam fremd, da sie nur oberflächlich beschrieben werden. Noch nicht einmal ihr Prozess der jugendlichen Selbstfindung und die gewaltvollen Reaktionen ihrer Mitschüler*innen auf ihr Queersein erreichen mich. Das ist schade. Einzig das Fremdsein in Frankreich - und die damit verbundenen Fragen nach Identität, die alle Familienmitglieder zu verbinden scheinen - wird spürbar.
"Trag das Feuer weiter" ist der dritte Teil einer generationenübergreifenden Familiengeschichte. Die Familie ist geprägt von Dualitäten: Frankreich und Marokko, Moderne und Tradition, Freiheit und strukturelle/ religiöse Unterdrückungsmechanismen und Repressionen.
Da ich die zwei ersten Bände nicht gelesen habe, bin ich dankbar für das Personenverzeichnis, das dem Roman vorangestellt ist.
Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen, aber emotional erreicht mich der Text meist nicht.
Meine Erwartungen begründet in der Leseprobe und den gelesenen Rezensionen haben sich leider nicht erfüllt.
Anmerkung: In der Übersetzung werden teilweise diskriminierende Ausdrücke verwendet, das erscheint mir unpassend, insbesondere ohne Hinweis.