Intensiver Roman über Familie, Herkunft und Freiheit
Mit Trag das Feuer weiter beschließt Leïla Slimani ihre Familientrilogie um die Familie Belhaj/Daoud. Der Roman ist leiser und persönlicher als die vorherigen Bände, zugleich aber politisch in einem tieferen Sinn: Er zeigt, wie eng individuelle Biografien mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen und historischen Umbrüchen verflochten sind.
Im Zentrum steht Mia, eine erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, deren Leben durch einen lähmenden „brain fog“ aus dem Gleichgewicht gerät. Sprache, Erinnerungen und Kreativität entziehen sich ihr. Auf ärztlichen Rat kehrt sie nach Marokko zurück, auf die Zitrusplantage ihrer Großeltern in Meknès – an den Ort ihrer Kindheit. Dort beginnt sie, sich ihrer eigenen Geschichte und der Vergangenheit ihrer Familie zu stellen. Der Roman spannt den Bogen vom Ende des 20. Jahrhunderts bis in die frühen 2000er-Jahre und erzählt von mehreren Generationen: von der elsässischen Großmutter Mathilde, die in Marokko heimisch wurde, von Mias Eltern Aicha und Mehdi, sowie von ihrer jüngeren Schwester Inès. Aus diesen Lebenslinien entsteht eine dichte Familienchronik vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Landes.
Über drei Generationen hinweg berichtet die Autorin über Frauen, die zwischen Anpassung und Selbstbestimmung ihren eigenen Weg suchen. Mia ringt mit Identität, Erinnerung und ihrer lange verborgenen Homosexualität, Inès mit dem Wunsch nach Anerkennung, Aicha mit den Grenzen eines scheinbar liberalen Lebens. Die Männer – vor allem Mehdi – erscheinen trotz gesellschaftlicher Machtpositionen oft als innerlich zerrissene Gestalten.
Zentrale Themen sind Identität und Zugehörigkeit, Migration, soziale Ungleichheit, weibliche Selbstbehauptung und das Leben zwischen Tradition und Moderne. Slimani zeichnet das Milieu einer privilegierten marokkanischen Elite, die nach außen weltoffen wirkt, sich jedoch aus Angst vor Kontrolle und Gewalt anpasst und ein Doppelleben führt. Ohne belehrend zu werden, verknüpft der Roman private Schicksale mit der politischen Realität Marokkos: Korruption, religiöser Druck, soziale Spannungen und globale Ereignisse bilden den Hintergrund. Der Blick weitet sich immer wieder über Marokko hinaus nach Frankreich und in eine globalisierte Welt, in der alte Muster fortbestehen. Slimani arbeitet mit Perspektivwechseln, Rückblenden und unterschiedlichen Erzählstimmen. Diese Struktur verlangt Aufmerksamkeit, verleiht dem Roman jedoch Tiefe und Dynamik. Der „brain fog“ fungiert dabei nicht nur als Krankheit, sondern als Metapher für Erinnerungslücken, Identitätsverlust und innere Leere.
Trag das Feuer weiter ist ein berührender Abschluss der Trilogie. Auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände lässt sich der Roman gut lesen, wenngleich das Gesamtbild mit Vorwissen an Tiefe gewinnt. Slimani erzählt von starken Frauen, fragilen Männern und der Frage, was von einer Generation an die nächste weitergetragen wird. Ein intensiver Roman über Familie, Herkunft und Freiheit.
Im Zentrum steht Mia, eine erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, deren Leben durch einen lähmenden „brain fog“ aus dem Gleichgewicht gerät. Sprache, Erinnerungen und Kreativität entziehen sich ihr. Auf ärztlichen Rat kehrt sie nach Marokko zurück, auf die Zitrusplantage ihrer Großeltern in Meknès – an den Ort ihrer Kindheit. Dort beginnt sie, sich ihrer eigenen Geschichte und der Vergangenheit ihrer Familie zu stellen. Der Roman spannt den Bogen vom Ende des 20. Jahrhunderts bis in die frühen 2000er-Jahre und erzählt von mehreren Generationen: von der elsässischen Großmutter Mathilde, die in Marokko heimisch wurde, von Mias Eltern Aicha und Mehdi, sowie von ihrer jüngeren Schwester Inès. Aus diesen Lebenslinien entsteht eine dichte Familienchronik vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Landes.
Über drei Generationen hinweg berichtet die Autorin über Frauen, die zwischen Anpassung und Selbstbestimmung ihren eigenen Weg suchen. Mia ringt mit Identität, Erinnerung und ihrer lange verborgenen Homosexualität, Inès mit dem Wunsch nach Anerkennung, Aicha mit den Grenzen eines scheinbar liberalen Lebens. Die Männer – vor allem Mehdi – erscheinen trotz gesellschaftlicher Machtpositionen oft als innerlich zerrissene Gestalten.
Zentrale Themen sind Identität und Zugehörigkeit, Migration, soziale Ungleichheit, weibliche Selbstbehauptung und das Leben zwischen Tradition und Moderne. Slimani zeichnet das Milieu einer privilegierten marokkanischen Elite, die nach außen weltoffen wirkt, sich jedoch aus Angst vor Kontrolle und Gewalt anpasst und ein Doppelleben führt. Ohne belehrend zu werden, verknüpft der Roman private Schicksale mit der politischen Realität Marokkos: Korruption, religiöser Druck, soziale Spannungen und globale Ereignisse bilden den Hintergrund. Der Blick weitet sich immer wieder über Marokko hinaus nach Frankreich und in eine globalisierte Welt, in der alte Muster fortbestehen. Slimani arbeitet mit Perspektivwechseln, Rückblenden und unterschiedlichen Erzählstimmen. Diese Struktur verlangt Aufmerksamkeit, verleiht dem Roman jedoch Tiefe und Dynamik. Der „brain fog“ fungiert dabei nicht nur als Krankheit, sondern als Metapher für Erinnerungslücken, Identitätsverlust und innere Leere.
Trag das Feuer weiter ist ein berührender Abschluss der Trilogie. Auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände lässt sich der Roman gut lesen, wenngleich das Gesamtbild mit Vorwissen an Tiefe gewinnt. Slimani erzählt von starken Frauen, fragilen Männern und der Frage, was von einer Generation an die nächste weitergetragen wird. Ein intensiver Roman über Familie, Herkunft und Freiheit.