Mit einem Plopp plötzlich zu Ende und viele offene Fragen

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pitty318 Avatar

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Das Buch ist das dritte Buch aus einer Reihe von Bänden zur eigenen Familiengeschichte der französischen Autorin mit marokkanischen Wurzeln.
Ich habe das Buch gelesen, ohne dass ich die Vorgängerbände kannte. Das geht prima.

„Trag das Feuer weiter“ handelt von vielen Anekdoten aus der Familiengeschichte von Mutter Aisha und Vater Mehdi in Marokko, über deren Leben, den Ereignissen aus dem Lebensalltag und besonders aus dem Leben der älteren Tochter Mia. Mia geht später zum Studium nach Paris und lebt dort ihre Sexualität und Hinwendung zu Frauen aus.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es hat einen Sog entfaltet wie ein Krimi. Die Autorin hat mich mit geheimnisvollen Umständen durch das Buch gelockt und ich bin ihr mit großem Lesevergnügen gefolgt.
Wichtige Personen aus der Vergangenheit Marokkos und geschichtliche Ereignisse habe ich nachgeschlagen, dadurch bin ich tiefer in das interessante Land und die dortige Kolonialzeit eingestiegen. Ich verstehe jetzt die Zusammenhänge, die Marokko so zweigeteilt hinterlassen haben und die Zeit der Aufteilung Afrikas in Kolonialländer, um günstig Bodenschätze zu erhalten, besser.

Es blitzten für mich viele Geheimnisse im Verlauf der Geschichte auf, die mich neugierig gemacht und den Lesesog aufrecht gehalten haben. Aber davon war am Ende des Buches wenig übrig geblieben und eine Enttäuschung breitete sich aus. Das Buch hat für mich sehr viel versprochen, es hat sehr viel Spaß gemacht zu lesen, die Formulierungen haben mir gefallen, aber mit dem Ende kann ich mich nicht so recht aussöhnen.

Das Buch ist so voller Reflexionsfähigkeit bezüglich der Figuren und zum Schluss der Bruch und das banale und interesselose Ende. Die Diskrepanz war einfach enttäuschend, sehr unrealistisch und passte für mich nicht nicht zu den Figuren.

In einem Podcast zu Leila Slimanis Buch wurde thematisiert, dass es ein Merkmal ihres Schreibens ist, die geschürten Erwartungen nicht zu erfüllen. Ob ich damit zu einer Leserin ihres nächsten Buches gehöre, denke ich wohl nicht.

Ich spreche trotz aller meiner Diskrepanzen zur Geschichte eine Leseempfehlung aus. Falls jemand mit Recherchearbeit in die Geschichte Marokkos eintauchen möchte, ist das Buch ein guter Einstieg. (3,5 Sterne)