Zwischen zwei Kulturen

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timphilipp Avatar

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Als ich dieses Buch für meine Lektüre ausgewählt habe, war mir gar nicht bewusst, dass es sich um den letzten Band einer Familien-Trilogie handelt. Ich hatte früher sogar schon einmal den ersten Band „Das Land der Anderen“ gelesen, woran ich mich erst erinnerte, als mir der Plot in Marokko bekannt vorkam. Es lässt sich durchaus isoliert ohne Vorkenntnisse lesen. Hier nun steht die Enkelin Mia im Mittelpunkt, während es im ersten Band ihre französische Großmutter ist, die bald nach dem Zweiten Weltkrieg einen Marokkaner heiratet und ihm auf eine Farm nach Marokko folgt. Ihre gemischte französisch-marokkanische Vergangenheit wird für Mia zu einem Identitäts- und Zugehörigkeitsproblem. Einer privilegierten Schicht angehörend, fühlt sie sich weder der marokkanischen Gesellschaft verbunden, in der Frauen nichts gelten und der Staatsapparat unberechenbar ist, noch der französischen Gesellschaft, die sie wegen ihrer arabischen Herkunft nicht anerkennt, nachdem sie dort seit ihrem jungen Erwachsenenalter lebt.
Mich hat die Geschichte nicht richtig in den Bann ziehen können. Als störend, weil den Lesefluss beeinträchtigend, empfand ich, dass sie aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Die jeweilige Erzählperson schildert mal nur kurz, mal aber auch in ganzen Kapiteln. Mia, um die es doch eigentlich gehen soll, tritt damit ziemlich in den Hintergrund. Der Sprachstil war für meine Begriffe oft etwas derb. Versöhnt haben mich die Betrachtungen über die marokkanische Gesellschaft, die mir viel neues Wissen vermittelt haben. Dennoch bleiben mir die zahlreichen Vier- und Fünf-Sterne Bewertungen dieses Buches unverständlich.