Moralisch verstörend, brutal und unglaublich konsequent

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mayaliestbücher Avatar

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Trophäe ist eines dieser Bücher, bei denen ich nach dem Zuschlagen erst einmal nicht genau wusste, was ich davon halten soll. Die Geschichte ist brutal, unangenehm und treibt ihre moralischen Fragen teilweise bis zur absoluten Perversion – gleichzeitig hat sie mich unglaublich gefesselt.

Hunter White ist dabei ein furchtbarer, aber extrem interessant und authentisch geschriebener Charakter. Er hält sich selbst für rational, überlegen und moralisch gefestigt, während man als Leser immer stärker erkennt, wie sehr er sich seine Moral passend zu seinen eigenen Bedürfnissen zurechtlegt. Ich habe ihn gleichzeitig gehasst und bemitleidet und bin seinen Gedanken so unmittelbar gefolgt, dass man fast gemeinsam mit ihm die Kontrolle verliert.

Besonders stark fand ich die Verbindung zwischen Jagd, Männlichkeit und Überlegenheitsgefühl. Hunter verkörpert ein sehr traditionelles Bild von Stärke und Kontrolle, in dem Verletzlichkeit kaum Platz hat. Daneben übt das Buch deutliche Kritik an Kolonialismus, Macht, Besitz und Kapitalismus. Besonders interessant ist dabei, dass diese Strukturen nicht einfach verschwinden, sondern sich eher als Kreislauf fortsetzen.

Auch der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Gaea Schoeters schreibt intensiv und detailreich, ohne sich in Kleinigkeiten zu verlieren. Lediglich im hinteren Mittelteil wurde die Geschichte für mich etwas zäh.

Trophäe ist definitiv kein angenehmes Buch, aber gerade deshalb hat es bei mir so stark nachgewirkt. Hunter ist einer der unangenehmsten und gleichzeitig interessantesten Charaktere, denen ich in letzter Zeit gefolgt bin.