Altsein
Ein Buch, das mich nachdenklich macht und mir auch zugleich Angst macht. Im ersten Teil erzählt uns die Autorin über ihre Großeltern, mit denen sie viel Zeit verbracht hat als Scheidungskind. Beide in den 30ier Jahren geboren, hatten sie den Krieg mitgemacht und waren sehr sparsam. Die Großmutter füttere sämtliche Katzen der Umgebung und sammele Puppen. Der Großvater, ein Elektriker sammelte alles was mit Elektrik zu tun hatte. Da gab es dann auch noch einen Schrebergarten. Die Großeltern waren etwas rüpelig zueinander, denn man zeigte keine Gefühle. Als dann der Großvater dement wurde und starb, ging die Erzählerin nach Berlin und verbrachte jede Woche einige Stunden mit den alten Menschen, was uns im zweiten Teil recht ausführlich berichtet wird. Es ist schrecklich mit anzusehen, wie diese Leute vergeßlich werden und in der Vergangenheit leben. Ein Abschnitt, der beim Leser viel abverlangt. Wie ein Mensch verfallen kann und immer näher dem Ende zugeht. Den letzten Teil widmet Alexandra Stahl ihrer Mutter, die nun verwitwet ist. Besonders hervorzuheben ist, dass viele Episoden im fränkischen Dialekt der Großeltern geschrieben sind, wo diese ja gelebt haben. Das Leben in dem kleinen Dorf wird so anschaulich geschildert, dass man sich alles genau vorstellen kann, wo am Samstag Nachmittag die Gehwege hochgeklappt wurden. Aber auch die Begegnungen im Altenheim werden ohne Beschönigungen dargelegt, man sieht die alten Menschen im Aufenhaltsraum sitzen, jeder einzelne eine Person, mit einem eigenen Leben und eigenen Wünschen. Das Foto auf dem Cover zeigt die Großeltern, ein sympathisches Paar. Man darf gar nicht daran denken, wie schnell die Zeit verfliegt und man selbst am Ende des Lebens steht.